Ein Jahr Tramverlängerung: Dank dem 8er rollt in Weil der Euro

Seit exakt einem Jahr fährt die Linie 8 der Basler Verkehrsbetriebe BVB über die Grenze bis ins deutsche Weil. Was ursprünglich in erster Linie als OeV-Angebot für deutsche Arbeitspendler gedacht war, wurde vom ersten Tag an von Schweizer Einkaufstouristen überrannt.

Günther Merz vor dem Rheincenter

Bildlegende: Profitiert von der 8er-Verlängerung: Rheincenter-Manager Günther Merz. SRF

Am 14. Dezember 2014 fuhr das erste 8er-Tram über die Grenze nach Weil am Rhein. Inzwischen ist die grenzüberschreitende BVB-Linie für die zahlreichen Schweizer Einkaufstouristen und -Touristinnen nicht mehr wegzudenken.

So richtig in Fahrt kam der verlängerte 8er allerdings erst einen Monat nach der Eröffnung: Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, den Euro-Franken Kurs nicht mehr zu stützen löste einen richtigen Run auf deutsche Einkaufszentren aus. Um den Ansturm bewältigen zu können, musste die BVB auf dem deutschen Streckenabschnitt den Takt verdoppeln.

Neue Zielgruppe

Einer der grossen Profiteure des verlängerten 8er-Trams ist das Rheincenter in Weil. Pro Tram kämen bis zu 70 Einkaufstouristen in den Konsumtempel, sagt Center-Manager Günther Merz: «Wir haben eine neue Zielgruppe. Nämlich die Baslerinnen und Basler, die kein Auto haben und jetzt mit dem Tram zu uns einkaufen kommen können.» Zudem kämen die Baslerinnen und Basler nicht mehr bloss für den grossen Wochenendeinkauf nach Weil, sondern auch für kleinere Einkäufe unter der Woche.

Nicht gelten lassen will Merz die Kritik des Basler Gewerbes an der neuen Tramlinie. Dieses beklagt sich, dass in Zeiten der Frankenstärke der Einkaufstourismus mit dem 8er-Tram gefördert werde. «Wir bieten andere Produkte an und vor allem in einer ganz anderen Preisklasse als die Läden in der Basler Innenstadt», sagt der Rheincenter-Manager.

Pro Innerstadt will nicht jammern

Für diese Läden war 2015 ein schwieriges Jahr. Mehrere Traditionsgeschäfte mussten schliessen - unter anderem wegen dem Einkaufstourismus. In diesem Zusammenhang monierten manche Ladenbesitzer, die BVB würden mit dem grenzüberschreitenden Tram den Einkaufstourismus zusätzlich fördern.

Porträt von Mathias Böhm

Bildlegende: Keine schlaflosen Nächte wegen dem 8er-Tram: Pro Innerstadt Geschäftsführer Mathias Böhm. zVg

Nun, nach einem Jahr, hält man sich beim Verein Pro Innerstadt mit Kritik zurück. Geschäftsführer Mathias Böhm findet, man müsse die Situation «realistisch und pragmatisch betrachten». Die Tramverbindung nach Deutschland sei seit Jahren geplant worden und habe auch früher schon bestanden. «Unglücklicherweise fiel die Eröffnung mit der Aufhebung des Mindestkurses zusammen. Dieser Zeitpunkt war natürlich nicht ideal.»

Böhm ist aber überzeugt, dass das Pendel früher oder später auf die andere Seite ausschlagen wird. Wenn sich die Währungen einmal wieder normalisieren würden, werde das Tram dem Basler Gewerbe grosse Vorteile bringen. In der Zwischenzeit will Pro Innerstadt die Stärken der Geschäfte im Stadtzentrum betonen: «Wir werden immer durch die Qualität und das Angebot attraktiv sein, nicht durch den Preis.»

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)