Eröffnung eines Strassenstücks: Aus der «H2» wird die «A22»

Eines der umstrittensten Strassenstücke der Region Basel ist am Mittwoch feierlich eröffnet worden: die «H2» zwischen Liestal und Pratteln. Die Strasse heisst nun «A22».

Im Hintergrund sieht man eine Strasse und Autos, die auf ihr fahren, im Vordergrund eine Strasse, die gerade im Bau ist. Das Bild der H2 wurde 2007 aufgenommen.

Bildlegende: Der Bau der H2 begann 2006, nachdem die Aufhebung des Rabatts auf Motorfahrzeugsteuern die Finanzierung sicherte (Bild von 2007). Keystone

Eröffnet wurde die neue Hochleistungsstrasse mit einem Festakt im Schönthal-Tunnel bei Füllinsdorf. Laut einer Mitteilung der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) nahmen daran rund 350 geladene Gäste teil. Baudirektorin Sabine Pegoraro gab einen Überblick über die Entstehungsgeschichte der Strasse.

Der Strassenabschnitt sei bedeutend für die Verbesserung des Agglomerationsverkehrs, erfülle aber auch wichtige Funktionen für das übergeordnete Strassennetz, sagte gemäss Redetext Rudolf Dieterle, Direktor des Bundesamts für Strassen (ASTRA): So verbinde sie den Kantonshauptort mit dem Nationalstrassennetz und der Agglomeration Basel, biete aber auch eine Ausweichmöglichkeit zum Nationalstrassennetz.

470-Millionen-Bauvorhaben

Die mit der Eröffnung in «A22» umbenannte Strasse soll Verkehr von der Rheinstrasse Liestal-Pratteln aufnehmen - die Kantonsstrasse ist heute während der Berufspendlerzeiten weitgehend verstopft. Zusammen mit dem älteren Abschnitt Sissach-Liestal schafft sie aber auch eine Parallelverbindung zum Abschnitt Sissach-Pratteln der Autobahn A2.

Die neue A22 schliesst an die Liestaler Umfahrung an, wo der neue Anschluss «Liestal Nord» gebaut wurde. Dann führt sie zum neuen Hülften-Kreisel beim Anschluss «Liestal/Augst» der A2, dem mit sechs Zu- und Abfahrten sowie einem Durchmesser von 66 Meter bisher grössten Kreisel im Kanton. Dazwischen führen bei Füllinsdorf rund 2,2 der total 4,5 neuen Strassenkilometer durch den Schönthal-Tunnel.

Die BUD ging in einer Endkostenprognose vom letzten August von Baukosten von 470 Millionen Franken aus, bei einem Bundesanteil von maximal 169 Millionen. Das sind 84 Millionen Franken weniger als zuvor befürchtet, aber deutlich mehr als die bei der massgeblichen Volksabstimmung von 1995 auf damaliger Preisbasis angekündigten 248 Millionen Franken.

Politikum während Jahrzehnten

Über den Neu- oder Ausbau der Strassenverbindung zwischen Sissach, Liestal und Pratteln durchs Ergolztal wurde je nach Quelle schon seit den 1930er- oder 1950er-Jahren diskutiert. Noch in den 1960er-Jahren wurde der Bau der T2 - T für «Talentlastungsstrasse» - Sissach-Liestal angestossen, 1970 wurde die Umfahrung Liestal eröffnet.

Die Fortsetzung von Liestal talabwärts nach Pratteln dagegen blieb in den Jahrzehnten danach politischer «Dauerbrenner». Gestritten wurde um Neubau oder Ausbau der bestehenden Rheinstrasse, Ausbaustandard, Untertunnelung und Finanzierung. Gegenüber standen sich insbesondere bürgerliche Befürworter eines Strassenausbaus und solche des ÖV-Ausbaus aus dem links-grünen Lager. Druck für den Bau machten namentlich Gewerbekreise um die Wirtschaftskammer Baselland. Deren Direktor Christoph Buser, der auch als Geschäftsführer des Bürgerforums H2 waltet, betonte gegenüber den «Regionaljournal Basel» von Radio SRF denn auch, wie wichtig die neue «A22» sei. Und er kritisierte die lange Planungsphase mit unter anderem 4 Volksabstimmungen, bis die Strasse endlich gebaut werden konnte. «Wenn das der Standard im Baselbiet ist, dann 'gute Nacht'», sagte Buser.

Tatsächlich gab es neben den Volksabstimmungen Redeschlachten im Landrat, Referenden und Gerichtsentscheide. Auch neue Umweltschutz- oder Sicherheitsbestimmungen des Bundes erzwangen Anpassungen. Ein erstes generelles Projekt für die nun «Jurastrasse» - J2 - genannte Strasse beschloss der Landrat 1982. Das Volk stimmte einem generellen Projekt 1995 zu.

Noch nicht ganz zu Ende

Anpassungen verteuerten das Projekt weiter, derweil der Kanton Mehrkosten beim Bau des Sissacher Chienbergtunnels am anderen Ende der mittlerweile in «H2» umgetauften Strasse tragen musste. Erst nachdem das Volk 2006 zur Finanzierung die befristete Aufhebung eines Rabatts auf den Motorfahrzeugsteuern guthiess, konnte mit dem Bau begonnen werden.

Auch nach der Eröffnung ist das Seilziehen aber noch nicht ganz zu Ende. Zum Gesamtprojekt der «A22» gehören auch der Teil-Rückbau der bestehenden Rheinstrasse. Die Regierung hat indes in den letzten Jahren die Überarbeitung des rechtskräftigen Projekts eingeleitet, und Gewerbekreise möchten möglichst viel Verkehrskapazität behalten.