Explosion in Pratteln: «Das war ein Unfall»

Neuer Anlauf im Prozess gegen jenen Mann, der vor drei Jahren in Pratteln einen Suizidversuch unternahm. Beim Versuch sich mit Gas zu töten, sprengte er das ganze Haus in die Luft. Er habe sich mit Gas aus dem Herd vergiften, aber niemanden sonst gefährden wollen, sagte der Angeklagte.

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Prozessbeginn in Pratteln

2:59 min, aus Schweiz aktuell vom 10.8.2015

An einem Samstagmittag im April 2012 liess eine starke Explosion das Pratteler Längi-Quartier erzittern, und zwei Stockwerke eines Wohnblocks stürzten ein. Acht Personen wurden verletzt; der Sachschaden wird auf 3,4 Millionen Franken beziffert.

«Das war ein Unfall», sagte nun der Angeklagte am Montag vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz. Er sei bei seiner Arbeit als Restaurant-Koch in August von seiner Chefin schwer gemobbt worden. Zudem hat der von seiner Frau getrennt Lebende Schulden in sechsstelliger Höhe.

«Mach doch einfach Schluss», habe er sich am Vortag der Explosion gesagt. Er habe sich damals in einer schweren Krise das Leben nehmen wollen, jedoch «niemals» mit einer Explosion.

«  Mach doch einfach Schluss. »

M.
Angeklagter

An jenem Freitag habe er den Gasherd mit Holzlatten so manipuliert, dass über Stunden Gas ausströmte. Als er in der Küche auf den Tod wartete, sei ihm aber nur übel geworden. Am frühen Morgen habe er den Selbstmordversuch abgebrochen.

Beim Weggli aufbacken knallte es

Dass das Schweizer Herdgas ungiftig ist, habe er nicht gewusst, sagte der gebürtige Österreicher, der seit über 30 Jahren in der Schweiz lebte. Eine Explosion und damit Gefahr für Unbeteiligte habe er verhindern wollen. Jedenfalls habe er zum Lüften alle Fenster geöffnet und sich bis nach ein Uhr Mittag schlafen gelegt. Als er dann keinen Gasgeruch mehr wahrgenommen habe, habe er Weggli aufbacken wollen - da habe es geknallt.

Experten akzeptieren Erklärungen

Ein Gas-Experte nannte seine Erklärungen plausibel. Angesichts der zerstörten Betondecke und -Mauern müsse wohl noch ein Kubikmeter Gas in der Wohnung gewesen sein, was je nach Durchzug möglich sei. Gas könne man riechen, dessen Konzentration aber nicht - und an Geruch gewöhne man sich rasch.

Ein Psychiater sprach von «sehr konsistenten» Erklärungen auch drei Jahre danach. Mobbing hätte den ganz auf seine Arbeit fokussierten Mann suizidal werden lassen können.

Verteidiger fordert Freispruch

Die Staatsanwaltschaft wirft dem zuvor unbescholtenen Mann fahrlässige Verursachung einer Explosion, Körperverletzung und weitere Delikte vor. Er habe die verheerenden Folgen der Explosion in Kauf genommen, sagt Staatsanwalt Jörg Rudolf. Verteidiger Niklaus Ruckstuhl will dagegen einen Freispruch. Was in der Anklage steht, sei nicht erwiesen. Es handle sich um einen Unfall.

Der Strafprozess geht am Dienstag mit Befragungen sowie Plädoyers weiter. Die Urteilseröffnung ist auf den 18. August angesetzt.