Flüchtlingshilfe in Basel: der grosse Hype ist vorbei

Im Sommer 2015 waren tausende von Menschen auf der Balkanroute nach Westeuropa unterwegs. Die Bilder von den Flüchtlingsströmen beeindruckten viele Menschen, auch in Basel. Spontan entstanden neue private Hilfsorganisationen.

Freiwillige sortieren Spenden im Kannenfeldpark.

Bildlegende: Freiwillige helfen gespendete Waren im Kannfeldpark zu sortieren. ZVG

«Baselhilftmit» ist eine von ihnen. Tonnen von Waren sammelte der Verein in seiner Anfangszeit. Dauernd meldeten sich Freiwillige, um zu helfen. Ganz anders heute: «Wir müssen Leute suchen» sagt Fabiola Bloch, Präsidentin von «Baselhilftmit». Sie seien nicht genug Leute, um die Waren im Depot zu sortieren.

«Baselhilftmit» beliefert Asylzentren in der Region mit Kleidern, vorsortiert, auf Bestellung. Mittlerweile würde auch zu wenig Ware gespendet, sagt Fabiola Bloch.

Im Herbst 2015 beeindruckten die Bilder in den Medien. Der tote Junge am Strand in der Türkei, der aussah wie Nachbars Junge. Oder die Nachricht des Lastwagens mit den Migranten, die alle gestorben waren.

«  Alle wollten sofort helfen, dass das aufhört. »

Fabiola Bloch
Präsidentin von «Baselhilftmit»

Der Hype sei nun vorbei, das sei auch gut so, denn die Leute, die jetzt noch dabei seien, würden nicht so schnell abspringen. Ein Dutzend Mitglieder würden «Baselhilftmit» vorantreiben. Am Anfang seien sie naiv gewesen, jetzt wisse man, wo Hilfe auch benötigt würde. Ende September 2016 liefert der Basler Verein medizinische Geräte, Kinderwägen und Kleider in ein Camp in Jordanien.

Der Verein kämpft aber mit praktischen Problemen – zu wenig Spenden, zu wenig Personal und zusätzlich muss «Baselhilftmit» bald das Depot in Liestal aufgeben. Das, sagt Fabiola Bloche, würde das Ende bedeuten.

Helferhype hat mehr Freiwillige gebracht

Das spontane Bedürfnis zu helfen, verspürten auch etablierte Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz in Basel. Wochenlang habe mehrmals täglich das Telefon geklingelt. Das habe sie noch nie erlebt, sagt Sabine Siegrist, Geschäftsleiterin des SRK Sektion Basel.

«  Wir haben nicht alle unterbringen können, die angerufen haben »

Sabine Siegrist
Geschäftsleiterin des SRK Sektion Basel

Private hätten sich spontaner organisieren können. Das Rote Kreuz hat nun neue Projekte lanciert. Beispielsweise können sich Einheimische melden, um Götti oder Gotte eines Flüchtlings zu sein. Das grosse Interesse sei nicht mehr da, sagt Sabine Siegrist. Der Helferhype habe ihnen aber mehr Freiwillige gebracht und noch heute sei das Interesse an den Projekten gross.

(Regionaljournal Basel, 6:32 Uhr)

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