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Das Gartenbad Bachgraben wurde in den 1960er-Jahren entworfen und ist besonders repräsentativ für die Nachkriegs-Moderne
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 16.07.2019.
abspielen. Laufzeit 05:56 Minuten.
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Gartenbad Bachgraben Architekten kritisieren Ausschreibung des Kantons

Das Hochbauamt gewichte das Honorar zu stark und setze sich über die Empfehlungen des Dachverbandes hinweg.

Wenn vom Gartenbad Bachgraben die Rede ist, denken viele Baslerinnen und Basler vermutlich an das 50-Meter-Schwimmbecken, an die Wellen-Rutschbahn - und die ganz Mutigen vielleicht an den 3-Meter-Sprungturm. Wenn Lukas Gruntz im Bachgraben ist, dann sieht er aber auch noch etwas anderes, dann sieht er Architektur: «Die Anlage ist sehr schön komponiert, wie sie in der Ebene liegt, mit den Pavillon-Bauten, welche den Raum gliedern.»

Das Gartenbad Bachgraben sei ein zeittypisches Beispiel für die Nachkriegs-Moderne, sagt Gruntz. «Man spürt hier den Optimismus und den Glauben an den Fortschritt.» Für jene Zeit sei die Anlage sehr repräsentativ und darum ist es für Gruntz, der selber Architekt ist, wichtig, dass die Anlage in ihrer heutigen Form erhalten bleibt.

Entgegen den Vorgaben des Fachverbandes

Aus diesem Grund kritisiert er nun auch die Sanierungsmassnahmen des Kantons im Gartenbad respektive die Ausschreibung dazu. Der Kanton will das Restaurant-Gebäude im hinteren Teil der Anlage umbauen, das Restaurant verkleinern und dafür einen Jugend-Treff integrieren. «Bei der Ausschreibung zu diesen Arbeiten gewichtet der Kanton das Honorar zu stark», sagt Gruntz. Man schaue zu fest darauf, dass der Umbau preiswert erledigt werde statt auf die architektonische Qualität.

Der Fachverband der Schweizer Ingenieure und Architekten empfiehlt, das Honorar bei Ausschreibungen mit maximal 25 Prozent zu gewichten, der Kanton Basel-Stadt bewertet es in diesem Fall indes mit 30 Prozent. Die hohe Gewichtung des Honorars könne dazu führen, dass die Architekturbüros am Preis herumschrauben und die Honorare möglichst tief ansetzen, damit sie den Zuschlag bekommen, sagt Gruntz.

Kanton wehrt sich gegen Kritik

Genau dies sei beim Fall Bachgraben geschehen, das könne man daran sehen, dass das günstigste Angebot von insgesamt 14 Architekturbüros, welche eine Offerte eingereicht haben, nur die Hälfte des Preises veranschlagt, den das teuerste Büro verlangt. «Diese grossen Differenzen zeigen, dass sehr günstige Offerten eingegangen sind», sagt Gruntz, «und man muss sich schon fragen, welche Leistungen bei so einem tiefen Honorar noch möglich sind».

Gruntz ist mit seiner Kritik nicht alleine, auch die Organisation BWA, welche Ausschreibungen und Wettbewerbe beobachtet, bewertet die Ausschreibung des Kantons als ungenügend. Angesprochen ist primär das Basler Hochbauamt - und dort wehrt man sich gegen die Vorwürfe. Leiter Thomas Blanckarts sagt: «Ob das Honorar mit 25 oder 30 Prozent gewichtet wird, macht aus unserer Sicht keinen grossen Unterschied.» Und zu den Preisdifferenzen: «Solche Offerten unterscheiden sich regelmässig in der Grössenordnung von 200 Prozent - das ist nicht aussergewöhnlich.»

Junges Basler Büro hätte Zuschlag erhalten sollen

Frustrierend ist die Kritik für Blanckarts indes aus einem anderen Grund, denn eigentlich hätte der Kanton ein anderes Verfahren für die Vergabe der Umbauarbeiten wählen wollen. Weil man davon ausging, dass das Honorar für die Tätigkeiten der Architekten unter 250'000 Franken liegen würde, was dem Schwellenwert für öffentliche Ausschreibungen entspricht, wollte man den Auftrag an ein junges Basler Architekturbüro vergeben.

Fünf Büros fragte das Hochbauamt an, doch als die Offerten kamen, war die Ernüchterung gross. «Alle Offerten lagen oberhalb des Schwellenwerts, weshalb wir das Verfahren abbrechen mussten», sagt Blanckarts. Warum die jungen Basler Büros so viel Geld für ihre Arbeit verlangten, ist offen, es liegt indes der Verdacht nahe, dass sie sich abgesprochen haben könnten. «Tatsache ist, dass wir die Büros vor Ort eingeladen hatten und wir nie einen Hinweis erhielten, dass unsere Schätzung zu hoch sein könnte.»

Deshalb habe man eine zweite, öffentliche Ausschreibung gemacht, welche nicht bloss einen Architekten sondern gleich einen Generalplaner suchte und welche nun unter anderem von Gruntz und dem BWA kritisiert wird. Bei den hierbei eingegangenen 14 Offerten zeigte sich übrigens, dass das Hochbauamt mit seinen Einschätzungen nicht daneben lag. Zehn von 14 Büros veranschlagten für die Arbeiten der Architekten ein Honorar von unter 250'000 Franken.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Roger Fasnacht  (FCB Forever)
    Gut gemacht Hochbauamt, das zeigt nur wie man über den Tisch gezogen wird wenn man solche Aufträge "unter der Hand vergibt". Ansonsten gibts nur wiede ein "Tesla-Desaster..." Das der Dachverband der Architekten reklamiert man solle die Höhe des Architeten-Honorars nicht so stark gewichten ist bei so einer Sachlage ein Hohn und macht die Typen vollkommen unglaubwürdig.
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