Geist der 60er Jahre im Theater Basel

Mit dem Stück «Like a Rolling Stone» bringt die Truppe Far A Day Cage das Lebensgefühl der 60er Jahre auf die Bühne des Schauspielhauses am Theater Basel.

Ein Wohnwagen in der Wüste, davor zwei Musiker

Bildlegende: Szene aus Like a Rolling Stone Judith Schlosser

Tomas Schweigen entwickelt mit der Truppe Far A Day Cage (FADC) das Stück zum Evergreen von Bob Dylan «Like a Rolling Stone». Alle Musik-Mythen der 60er Jahre tauchen sie auf der Bühne auf in dieser Spurensuche nach dem Lebensgefühl einer Epoche, in der Aufbruchsstimmung herrschte.

John F. Kennedy versprach die Mondlandung, Marilyn Monroe wurde zum archetypischen Sexsymbol, Martin Luther King hatte seinen Traum von einer Gesellschaft ohne Rassenschranken und alle starben vorzeitig. Andy Warhol revolutionierte die Kunst, Valerie Solanas schrieb das erste radikal-feministische Manifest und schoss auf Warhol. Alles innnert wenigen Jahren.
 
Und mitten drin schrieb Bob Dylan 1965 mit «Like a Rolling Stone» Musikgeschichte und fasste in rätselhaften Lyrics den von den anderen in den 1960er-Jahren begonnenen Aufbruch gleichsam zusammen. Viel wurde über den Inhalt des Liedtexts gerätselt. Das bietet mehr als genug Stoff für einen Theaterabend, wie
Regisseur Tomas Schweigen in seinem nun uraufgeführten Stück eindrücklich unter Beweis stellt.
 
In einer Wüstenkulisse mit Schrottkarre und Wohnwagen werden die Songs von der 10-köpfigen Compagnie dargebracht. Auf ein Motelschild werden die deutschen Übersetzungen projiziert. Die Kostümierung wechselt ständig, angelehnt an Fotos von Dylan, seinen Weggefährten und Zeitgenossen.
 
Ein gläsernes Studio wird hochgefahren und die turbulenten mehrtägigen Sessions
nachgestellt. Bald tauchen Andy Warhol, Edie Sedgwick und John Lennon auf und führen mehr oder weniger absurde Gespräche. Marilyn Monroe schwingt den Putzlappen, Janis Joplin hampelt kreischend rum. Bob Dylan verunglückt - auf einem Velosolex. Das Ganze klingt aus mit einer Diskussion über den tieferen Sinn von «Like a Rolling Stone» und der Abspielung des sechsminütigen Welthits.

So viele Partikel zu einem homogenen Ganzen zu verschmelzen, ist nicht leicht. Schweigen und seiner Truppe gelingt es. Bemängeln könnte man höchstens, dass dem Zuschauer ein bisschen gar viel vorgekaut wird. Man hätte dem Publikum etwas mehr Reflexionsfutter mit auf den Heimweg geben dürfen als die Frage, wieviel gesellschaftlichen Ertrag die damalige Aufbruchsstimmung gebracht hat.

Für die unterhaltsame musikalisch-theatralische Collage rund um Bob Dylans Jahrhundertsong.«Like a Rolling Stone» hat die Truppe Far A Day Cage mehrfach Zwischenapplaus und frenetischen Schlussbeifall geerntet.