Im Museum Tinguely wird der Besucher selbst zum Künstler

In der Sonderausstellung «Spielobjekte» steht die Interaktion im Mittelpunkt. Besucher und Besucherinnen sollen selbst aktiv werden und mit der Kunst in Berührung kommen. Das geht gar soweit, dass das Kunstwerk überhaupt erst dank den Betrachtern entsteht.

Ein komplett weiss angestrichener Raum begrüsst die Besucher und Besucherinnen des Tinguely Museums. Der Raum ist möbliert, an den Wänden hängen Bilder, es stehen Pflanzen herum - aber alles ist ganz in weiss gehalten. Es herrscht gähnende Leere. Doch die Reinheit des Raumes währt nicht lange. «Der Besucher soll Spuren hinterlassen», erklärt die Kuratorin Annja Müller Alsbach. Sie verteilt Bögen mit runden bunten Aufklebern. «Wir bekleben nun den Raum, so dass es hier ganz schnell ganz farbig wird.»

«Spielobjekte» als greifbare Kunst

Was «The obliteration room» der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama zu Grunde liegt - die Interaktion zwischen Kunst und Betrachter - ist das Grundprinzip der gesamten Ausstellung «Spielobjekte». Die variablen Kunstwerke sollen die Betrachter und Betrachterinnen direkt miteinbeziehen. Eine Kunstrichtung, die in den 1950ern und -60ern ihren Höhepunkt feierte. «Man wollte damals die Grenzen der Kunst sprengen», beschreibt Museumsdirektor Roland Wetzel. «Es gab einen Bruch, der Künstler wurde nicht mehr als Genius, der Kunst schafft betrachtet, sondern man suchte nach Möglichkeiten, um die Kunst zu popularisieren.» Allen Spielobjekten gemeinsam ist, dass der Betrachter die beweglichen Bilder, Relief, Maschinen oder Skulpturen verändern kann und dadurch eine individuelles Werk erstellt.

Auch Jean Tinguely verfolgte diesen Ansatz. «Jean Tinguely suchte den Kontakt zu den Menschen», so Wetzel. In der Ausstellung «Spielobjekte» ist nur eine einzige Maschine von Tinguely selbst zu sehen, die «Ballspielmaschine». Ein Monstrum aus Metall und Blech, das auf einem Fliessband rot-weiss gepunktete Plastikbälle aufhebt und diese dann davonspickt.

«  Tinguely suchte den Kontakt zu den Menschen »

Roland Wetzel
Direktor Museum Tinguely

Nicht alle Objekte der Ausstellung dürfen von den Besuchern selbst berührt oder aktiviert werden. Einige sind inzwischen zu fragil, so dass sie nur von Museumsmitarbeitenden bedient werden dürfen. Dennoch bietet die Ausstellung zahlreiche Möglichkeiten, selbst in die Kunst einzugreifen. Sei es durch das Zusammensetzen und Anordnen weisser Würfel zu unterschiedlichen Konstruktionen, durch das Anordnen Puzzle-artiger Bildelemente oder durch das Spannen weisser Gummibänder auf einem Nagelbrett.