In dieser Basler WG beginnt der Tag mit einem Gebet

Bei einer Wohngemeinschaft denken viele an partylustige Studenten, die sich eine Wohnung teilen. Doch es geht auch anders: Auf dem Münsterplatz teilen sich zwei Diakonissen ihr Zuhause mit Studentinnen. Das Beten hat im WG-Alltag einen festen Platz.

Zwei Diakonissen stehen vor einer hölzernen Haustüre.

Bildlegende: Schwester Esther (63) und Schwester Marti (77) teilen ihr Zuhause mit Studentinnen. zvg

Der Morgen in der WG Münsterhüsli fängt früh an: Um 7 Uhr treffen sich die Bewohnerinnen und gehen zusammen zum Morgengebet in die Münsterkapelle. Mit dabei sind Schwester Esther (63), Schwester Marti (77), Hanné aus Kanada (31) und Geyong Hui aus Südkorea (40). Rund 20 Minuten dauert das Gebet am Morgen. Es ist für die Bewohnerinnen der WG Pflicht. «Wer hier wohnen möchte, muss bereit sein, das Gebet in seinen Alltag einzubauen», sagt Schwester Esther.

Für Hanné aus Kanada ist das Beten am Morgen kein Problem. Die Orgel-Studentin wohnt seit letztem Sommer in der WG Münsterhüsli. Sie sei religiös aufgewachsen, sagt die 31-Jährige. «Am Anfang fand ich das schon speziell, dass ich mit zwei älteren Frauen zusammen wohne. Aber ich war positiv überrascht und die Beiden sind wirklich cool», sagt Hanné. Von ihrem Zimmer hat sie direkte Sicht aufs Münster.

Seit 11 Jahren bilden Schwester Esther und Schwester Marti den Kern der WG. Die restlichen, meist jungen Bewohnerinnen bleiben jeweils etwa ein Jahr. Die Idee, dass Diakonissen mit jungen Frauen eine WG bilden, hatte die Kirche. Sie sei damals angefragt worden, sagt Schwester Esther, und gibt zu, dass sie auch Zweifel hatte: «Schwester Marti und ich sind ziemlich verschieden. Sie ist sehr ordnungsliebend, ich eher nicht. Ich wusste nicht, ob das gut geht.»

Abwasch von Hand

Mittlerweile sind die beiden ein gut eingespieltes Team. «Wir haben uns auch schon gemeinsam dagegen gewehrt, dass eine Abwaschmaschine in die Küche kommt», sagt Schwester Esther lachend. Und Schwester Marti ergänzt: «Wir haben einen Ämtliplan, aber da jeder sowieso weiss, was er zu tun hat, schauen wir ihn kaum an».

Es ist nicht immer einfach, jemanden für die drei WG-Zimmer zu finden. «Manchmal suchen wir längere Zeit eine neue Mitbewohnerin», sagt Schwester Esther. Häufig scheitert es am Zeitaufwand, den diese WG-Form mit sich bringt. «Wenn jemand um 7 Uhr auf den Zug nach Zürich muss, geht das leider nicht. Um 7 Uhr ist unser Morgengebet», sagt Schwester Marti.