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Wahlen in Deutschland In Weil-Friedlingen will die AfD weiter punkten

Seit den Landtagswahlen 2016 gilt das Viertel Weil-Friedlingen als Hochburg der rechtspopulistischen Partei. Jetzt will die AfD bei den Bundestagswahlen einen weiteren Erfolg feiern.

Portrait von Wolfgang Fuhl.
Legende: Wolfgang Fuhl wirft der Regierung Versagen vor und will für die AfD in den Bundestag. SRF/Sedrik Eichkorn

Mit fast 25 Prozent Wähleranteil bei den Landtagswahlen 2016 hat die AfD in Weil-Friedlingen einen beachtlichen Erfolg gefeiert: Wahlresultate, die man sonst aus Ostdeutschland kennt. Im restlichen Weil am Rhein lag der Anteil der Partei bei der Landtagswahl bei rund 16 Prozent.

«Genug ist genug»

Diesen Erfolg möchte Wolfgang Fuhl weiter ausbauen und für die AfD in den Bundestag ziehen. Weil-Friedlingen, wo er seine Jugend verbracht hat, sei ein Problemviertel, es brauche einen Kurswechsel: «Es reicht den Menschen. Genug ist genug», so Fuhl. Viele Alteingesessene würden sich von Migranten regelrecht verdrängt fühlen.

Die Lösungsansätze von Fuhl klingen nicht anders als die nationalen Forderungen der AfD: Grenzen strenger schützen und repressiver gegen Kriminalität vorgehen. Auf den Vorwurf, das seien keine echten Lösungen, kontert er: «Warum kupfern dann alle anderen Parteien bei uns ab? Dieser Vorwurf ist nichts anderes als Populismus.»

Die AfD setzt auf Angst. Das ist kein guter Ratgeber.
Autor: Andreas RühleLokalpolitiker der Freien Wähler

Argumente, die den Lokalpolitiker Andreas Rühle leer schlucken lassen: «Bei den Landtagswahlen bin ich schon erschrocken. 25 Prozent der Stimmen an die AfD, das ist deutlich.» Rühle setzt sich als Mitglied der Freien Wähler für den Stadtteil Friedlingen im Weiler Parlament ein. Seit seiner Kindheit wohnt Rühle in diesem Quartier. Auch er räumt ein, dass es Probleme gibt.

Ein Auto des Deutschen Zolls fährt durch Weil-Friedlingen.
Legende: Die Grenzkriminalität beschäftigt in Weil-Friedlingen nicht nur die Bevölkerung. SRF/Sedrik Eichkorn

In den 70er Jahren ist die Textil-Industrie weggebrochen. Die Stadt musste neue Industrien ansiedeln und Jobs schaffen. Heute boome zwar der Detailhandel, dieser sorge aber auch für viel Verkehr, verstopfte Strassen und hohe Mietpreise. Weiter führe auch die Grenzlage zwischen der Schweiz und Frankreich zu Problemen. Die Kriminalität sei hoch: Das reiche vom Drogenhandel bis hin zu einem florierenden Geschäft mit Spielhöllen. Gegen all diese Probleme würden aber die Ansätze der AfD nichts nützen, so Rühle: «Die Partei setzt auf Ängste. Das ist kein guter Ratgeber. Wir müssen echte Lösungen finden.»

Statistische Verzerrung?

Der Oberbürgermeister von Weil am Rhein, Wolfgang Dietz (CDU), wehrt sich gegen die Vorurteile, Friedlingen sei ein Problemviertel und deswegen eine AfD-Hochburg. Der Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen hänge vor allem mit der traditionell tiefen Wahlbeteiligung im Quartier zusammen, glaubt Dietz: «Wenn wir das herausrechnen, ist Friedlingen nicht anders als andere Städte in Deutschland.» Ausserdem habe die Stadt zwischenzeitlich viel in die Polizeiarbeit und auch in die Schulen investiert. Einiges habe sich im Quartier verbessert.

Trotzdem gibt es Wolfgang Dietz zu denken, dass die rechtspopulistische AfD auch in Weil am Rhein zum Teil salonfähig geworden ist: «Dabei hilft sicher die lange Zeit, die seit dem Ende der Nazi-Herrschaft verstrichen ist.» Die AfD habe es verstanden, Themen, die bislang in Deutschland tabu waren, aufzugreifen und auf das politische Parkett zu bringen.

(Regionaljournal Basel, 06.32 Uhr)