Jürg Erismann: «Wir wollen nicht Touristen-Ausflugsziel werden»

Drei Milliarden Franken investiert der Pharma-Konzern Roche in das Firmenareal im Basler Wettstein-Quartier. Zu dem Projekt gehört ein 205 Meter hoher Turm. Es könne aber nicht die Rolle der Roche sein, diesen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sagt der Standortleiter Basel Jürg Erismann.

Portraitaufnahme von Jürg Erismann

Bildlegende: Standortleiter Roche Basel Jürg Erismann Keystone

Er sei gespannt auf die Reaktionen gewesen, als er am Mittwoch zusammen mit CEO Severin Schwan die Medienkonferenz über die Roche-Pläne eröffnet habe, sagt Jürg Erismann, seit diesem Sommer Standortleiter Basel. Alles in allem habe er die Reaktionen als überwiegend positiv wahrgenommen. Dass zum Teil in Kommentaren der Roche Verschandelung oder Grössenwahn vorgeworfen worden sei, damit habe man rechnen müssen. «Es wäre vermessen gewesen, das nicht zu erwarten. Wir sind uns bewusst, dass diese Grösse alle bisherigen Dimensionen übersteigt.»

Als ganzer Cluster besser integriert

Erismann ist jedoch überzeugt, dass mit den neuen Plänen das Areal deutlich aufgewertet wird. «Es entsteht ein ganzer Cluster, der sich besser in die Umgebung einpasst, als der einzelne Turm.» Auch beim demnächst vollendeten 175 Meter hohen Bau 1 habe es anfänglich viel Skepsis gegen, Jetzt, wo es stehe, sei das Gebäude besser akzeptiert.

Dazu komme, dass an der Wettsteinallee durch den Rückbau bestehender Gebäude neue Grünflächen entstünden. Roche sei eine gute Nachbarschaft im Quartier immer wichtig gewesen. Auch bei diesem Projekt suche sie den Dialog und versuche, auf Bedürfnisse einzugehen. «Das Gesamtkonzept steht natürlich», so Erismann, aber bei Fragen zum Beispiel rund um den Verkehr - auch während den Bauarbeiten - gebe es auf jeden Fall Spielraum.

OeV-Anbindung auch in öffentlichem Interesse

Was die Anbindung an den öffentlichen Verkehr betreffe, sei Roche in Kontakt mit den Basler Behörden, um gemeinsame Lösungen zu finden, zum Beispiel eine Tramlinie durch die Grenzacherstrasse oder eine S-Bahn-Station. «Es ist klar, dass solche Lösungen auch im öffentlichen Interesse sind», betont Erismann, es würden keine Roche-Lösungen gesucht. Falls eine Lösung gesucht werden müsse, die nur für Roche Sinn mache, könne über eine direkte Kostenbeteiligung diskutiert werden.

Kein Panorama-Restaurant in 205 Metern Höhe

Ähnlich wie Konkurrent Novartis beim Campus will auch Roche dereinst das Areal - konkret den Rekord-Turm - nicht für die Öffentlichkeit zugänglich machen: «Wir sind offen für Besucher, die sich für unsere Arbeit interessieren und diesen zeigen wir gerne auch unsere Gebäude. Aber wir wollen nicht Ausflugsziel werden.» Das könne nicht die Rolle der Roche sein, und deshalb werde es auch kein Panorama-Restaurant geben.

Auch für Roche eine grosse Investition

Die Investition von 3 Milliarden in zehn Jahren - also 300 Millionen Franken jährlich - wird durch die Höhe der Gesamtinvestitionen von Roche relativiert. Diese hatte CEO Severin Schwan am Mittwoch mit 9 Milliarden weltweit beziffert. Das heisse aber nicht, dass eine Investition von 300 Millionen Franken im Jahr für Roche Peanuts seien. Speziell sei vor allem der gesamte Investitionsrahmen, der auch für Roche aussergewöhnlich und ein klares Bekenntnis zum Standort Basel sei.

Allerdings lässt Erismann klar durchblicken, dass sich die im Moment noch guten Rahmenbedingungen nach einer Annahme der Ecopop Initiative verschlechtern würden: «Das wäre eine schwierige Situation. Wir müssten uns überlegen, was das für unsere Aktivitäten ändern würde.»

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)