Kantonale Spitäler buhlen um Patienten auch an den Swiss Indoors

Die Psychiatrie Baselland bittet zum Nachtessen ins Varieté und das Basler Universitätsspital mietet für seine Gäste an den Swiss Indoors eine Lounge: Seit der freien Spitalwahl betreiben Kliniken vermehrt Marketing und buhlen um Patienten.

Einladungen des Universitätsspitals Basel und der Psychiatrie Baselland

Bildlegende: Tennis und Varieté: Spitäler laden zu Freizeitprogramm ein. SRF

Auch wenn ein Varieté-Abend oder eine Lounge an den Swiss Indoors in erster Linie nicht nach medizinischem Austausch klingen, so geht es schlussendlich doch ums Geschäft, meint Peter Waldner von der Psychiatrie Baselland: «Am Rand pflegen wir natürlich Kontakt zu unseren Gästen und informieren diese über unsere Angebote und Leistungen.» In Fachkreisen wird von sogenannten Zuweiser-Anlässen gesprochen: Spitäler laden die Ärzte ein, welche dem Spital später Patienten zuweisen.

Sabina Heuss, Marketing-Leiterin des Basler Universitätsspitals betont, dass die Einladung an die Swiss Indoors kein klassischer Zuweiser-Anlass sei. Dabei gehe es mehr um die allgemeine Kontaktpflege.

Die spezifischen Zuweiser-Anlässe des Basler Universitätsspitals liefen eher über Weiterbildungen, betont Sabina Heuss.

«Wir müssen uns im Markt positionieren»

Hintergrund dieser Marketing-Aktionen ist der ist der Umbau im Gesundheitssektor: Seit Beginn 2012 besteht die freie Spitalwahl. Das heisst, Patienten können selbst wählen, in welchem Spital sie sich behandeln lassen wollen.

In dieser Situation würden auch die kantonalen Spitäler immer mehr unter Druck stehen. Sie müssten sich gegen die Konkurrenz durchsetzen, sagt Peter Waldner: «Im Spitalbereich beginnt der Markt eine grössere Rolle zu spielen. Und in diesem Markt müssen wir uns positionieren.»

Mehr Transparenz bei öffentlich-rechtlichen Spitälern

Wenn ein kantonales Spital seine Partner zu einem geselligen Anlass einlädt, ist das aber nicht dasselbe, wie wenn dies ein privates Unternehmen tut. Die Einnahmen dieser öffentlich-rechtlichen Spitäler sind zu einem grossen Teil aus öffentlichen Geldern finanziert: Steuer- und Krankenkassengelder. Und mit diesen Geldern müssen die Spitäler primär ihren Leistungsauftrag erfüllen: Die Sicherstellung der gesundheitlichen Grundversorgung der Bevölkerung.

Wenn also Teile dieser Gelder in Marketingmassnahmen fliessen, sei das nicht unproblematisch, sagt Sabine Heuss gegenüber dem «Regionaljournal Basel» von Radio SRF und ergänzt: «Ich denke es ist ein kritischeres Thema, als bei einem privaten Unternehmen.» Man müsse sich genau überlegen, wo man das Geld investiere und sei dem Steuerzahler auch Rechenschaft schuldig.

Der Erfolg von solchen Zuweiser-Anlässen lässt sich nur schwer messen. Über die genauen Kosten der Anlässe wollten die beiden Spitäler keine Auskunft geben.