Karger Verlag: 125 Jahre für die Wissenschaft

Die wissenschaftliche Buchhandlung Karger Libri ist in Basel vielen ein Begriff. Weniger bekannt ist, dass Karger in erster Linie ein Verlag ist: Das unabhängige Familienunternehmen beschäftigt 250 Mitarbeitende und ist international tätig.

Gabriella und Thomas Karger diskutieren

Bildlegende: Zwei Generationen des Familien-Verlags im Gespräch: Gabriella Karger mit ihrem Vater Thomas Karger. zvg

Der Karger Verlag ist seit seiner Gründung auf medizinische Publikationen spezialisiert. 1890 gibt der Buchhändler Samuel Karger in Berlin sein erstes Buch heraus: ein Vademecum für Gynäkologen. Das handliche Büchlein für Praktiker ist ein Erfolg und wird in verschiedene Sprachen übersetzt - unter anderem auf Russisch, Englisch und Türkisch.

Flucht vor den Nazis

Der kleine Verlag der jüdischen Familie Karger gedeiht bis zur Machtergreifung der Nazis. 1937 muss Verleger Heinz Karger, der Sohn des Verlagsgründers, das Unternehmen schliessen. Er flüchtet nach Basel, wo der Verlag seither seinen Hauptsitz hat.

Heute führt Gabriella Karger den Verlag in vierter Generation. Karger publiziert 100 Zeitschriften und rund 50 Bücher pro Jahr. Die meisten Texte erscheinen auf Englisch. «Gegen Verlagsgiganten wie Springer oder Elsevier behaupten wir uns dank herausragenden Publikationen und dank intensiver Beziehungspflege», sagt Gabriella Karger. Die Geschäftsführerin ist deshalb nonstop auf der ganzen Welt unterwegs zur Kontaktpflege.

Herausforderung Online-Publikationen

Grösste Herausforderung für den Verlag sind heute laut Gabriella Karger die rasanten technischen Veränderungen. Nicht die Digitalisierung an und für sich bereitet ihr Kopfzerbrechen: Karger gibt seine Texte bereits seit 15 Jahren auch in elektronischer Form heraus. Schwierig sei vielmehr, dass diese Digitalisierung für den Verlag sehr viel Arbeit nach sich ziehe. So müsse man zum Beispiel dafür sorgen, dass Forscherinnen und Forscher die Texte im Internet auch fänden.

Offen ist ausserdem die Frage nach der Bezahlung: Immer mehr Stimmen fordern freien Zugang im Internet auch zu wissenschaftlichen Texten. Geschäftsführerin Karger hat damit kein grundsätzliches Problem.«Irgend jemand muss aber für unsere Verlagsarbeit bezahlen. Wenn eines Tages nicht mehr die Leser bezahlen, dann müssen das eben die Autoren übernehmen.»