Kleinbasler Charivari zwischen Tradition und Aufbruch

Der Reigen der Vorfasnachtsveranstaltungen ist um eine Premiere reicher. Am Samstag, 25. Januar brachte das Charivari-Ensemble um Regisseurin Colette Studer die Ausgabe 2015 im Volkshaus auf die Bühne. Bei diesem Charivari knüpft die Regie an alte Traditionen an, interpretiert sie aber auch neu.

Bühnen-Halbtotale mit Rheinfähre vor Mittlerer Brücke, darin vier Fasnachtsfiguren, den Blick zur Seite gerichtet.

Bildlegende: «S Raamestiggli uff dr Fähri» nimmt auch die Zürcher hoch. Keystone

Sie sind dem Charivari-Publikum bestens bekannt: Die Clique Naarebaschi, die Gugge Negro Rhygass, die Pfeifergruppe d'Schäärede und die beiden Schnitzelbänke dr Schwoobekäfer und d'Gwääggi. Ebenso führt auch dieses Jahr wieder das blau-weisse Charivarimännlein durch den Abend.

Bekannt und beliebt sind auch die Sujets, die in den «Raamestiggli» bedient werden - es sind alle Sujets der Basler Fasnacht dabei. Die Basler Regierung und das Verhältnis zu unserem grösseren Nachbarn Deutschland, werden hochgenommen, die von sich selbst überzeugten Zürcher und auch der Kleingeist der Baselbieter werden verspottet. Das Ensemble um Regisseurin Colette Studer schiesst aber auch auf die Grossbasler und den «Daig».

Neuinterpretation einer «Hyylgschicht»

Dieses Jahr nimmt die Regie aber wieder einmal eine traurige Nummer ins Programm, eine «Hyylgschicht». Das Charivarimännlein lässt uns ins Dasein einer Topmanagerin blicken, die genug vom Leben hat und nicht mehr will. Auf dem Münsterturm ist sie, fest entschlossen, sich in die Tiefe und somit ins Jenseits zu stürzen. Das Ende weicht aber ab vom traditionellen Exitus einer «Hyylgschicht» - auch Dank der Frau Fasnacht.

Musikalisch betritt das Charivari Neuland mit den «Six Chicks». Erstmals steht eine A-Capella-Frauen-Formation auf der Bühne. Gemeinsam mit der Pfeiferformation Schäärede verblüffen sie das Publikum und beweisen, wie gut Piccolo und Gesang zusammen klingen.

Einfaches Bühnenbild mit bezaubernden Helgen

Das Bühnenbild kommt schlanker daher als in früheren Jahren. Links steht das Münster, rechts die Clarakirche und in der Mitte ist im Hintergrund eine breite Leinwand. Je nach Rahmenstück werden auf diese Leinwand Helgen von Hans Dätt Marti projiziert. Mal der Claraplatz, dann die Pfalz oder die Mittlere Brücke.

Colette Studer liess sich einiges einfallen, um die revueartige Vorstellung mit einzelnen Nummern fliessend ineinander übergehen zu lassen. Während sich etwa eine Clique für ihren Auftritt bereit macht, fesseln zwei Geisterwesen das Publikum, die sich aus den Türmen der Kirchen heraus unterhalten: Kleinbasel und Grossbasel treffen hier aufeinander.

Von Angela Merkel bis Tamara Wernli

Das vergangene Jahr war reich an Sujets für die Schnitzelbänke. Und den Gwääggi gelingt es, eine Serie von perfekt gebauten Schnitzelbänken auf die Bühne zu bringen. Sechs Bänke, bei denen jeweils bis kurz vor Schluss offen bleibt, in welche Richtung der letzte Gedanke springt und die so mit einer träfen Pointe enden.

Zum Schluss des Abends singt das Publikum stehend das Charivari Lied. Neuer Text, alte Melodie - älteren Besuchern werden die ersten Charivariaufführungen vor über 30 Jahren wieder in Erinnerung kommen. Damals zückten viele im Publikum das Piccolo, um zum Schluss des gemeinsamen Abends einen Marsch in den Volkshaussaal zu pfeifen. Von der Regie ungewollt lebt in einer neuen Form diese alte Tradition plötzlich wieder auf.

Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr