Modernes Basler Drummeli findet beim Publikum keine Gnade

Die älteste Basler Vorfasnachtsveranstaltung soll sich dem zeitgenössischen Theater nähern und sowohl in Form und Inhalt moderner werden. Dem Premierenpublikum gefiel die Ausgabe 2016 aber nicht: Die Rahmenstiggli wurden als humorlos und langweilig empfunden.

Fünf Personen sitzen auf Gymnastikbällen und sprechen miteinander.

Bildlegende: Die Selbsthilfegruppe auf dem Weg zur Selbstfindung. SRF

Beim Drummeli hat sich viel verändert: Die Rahmenstiggli sind von einem Autorenteam geschrieben, beim Bühnenbild verzichtet man auf Requisiten und das halbe Ensemble ist neu besetzt. Die grösste Änderung ist in der Regie auszumachen: Mit Laurent Gröflin übernahm ein Mann aus dem Theater das Zepter.

Es sei seine Absicht, das Drummeli näher ans zeitgenössische Theater zu bringen. «In den Rahmenstiggli sollen sich die Figuren entwickeln. Gehen sie am Schluss von der Bühne, dann sollen sie nicht mehr die gleichen sein wie zu Beginn ihres Auftrittes», sagt Gröflin. Besonders gut sei dies beim Stück mit dem Kreuzritter Siegbert zu sehen. «Er kommt als mittelalterliche Figur auf die Bühne und tritt als aktiver Fasnächtler in der heutigen Zeit ab.»

Nicht nur die Figuren sollen sich in den Rahmenstiggli weiterentwickeln, sondern auch die Themen. In einem anderen Rahmenstiggli soll zum Beispiel ein Künstler zum Sujet «Göhn sy au fremd?» eine Laterne malen. Das Sujet entwickelt sich im Verlauf des Spieles weiter. «Fremd sy, sind sy au fremd. Wie hän sy s mit de Fremde?» Die Fragen des Künstlers führen vom ersten Gedanken weg.

Vereinzelte Buhrufe

Es mag löblich sein, dass sich das Drummeli erneuern will. Im Fall der Ausgabe 2016 muss dieser Aufbruch zu neuen Ufern aber als klar gescheitert betrachtet werden. Beim Premierenpublikum fanden die Rahmenstiggli kaum Anklang. Es war unruhig und reagierte vereinzelt auch mit kritischen Zwischenrufen. Das ist für eine Vorfasnachtsveranstaltung ein Novum.

Zu gross ist die Diskrepanz zwischen der Darbietung und den Erwartungen des Publikums, zwischen Anspruch der Regie und Realität auf der Bühne, zwischen Tradition und Moderne. Der Tanker «Drummeli» lässt sich nicht einfach so in eine andere Richtung manövrieren.

Cliquen retten den Abend

Überzeugen vermögen hingegen die Darbietungen der Cliquen. Viele sind optisch und musikalisch ein Genuss. Einen ersten Höhepunkt setzt die Trommelschule der «Naarebaschi». Ihre Inszenierung der «Alte Schwyzer» erinnert an die Darbietungen der Trommelgruppe «Top Secret». Der «Dupf-Club» vermochte mit seinem Auftritt «Was für e Gfühl» das Premierenpublikum zum Mittanzen zu animieren.

Unterschiedlich kommen die Schnitzelbänke daher. Die drei letzten Verse der «Dreydaagsfliege» überzeugen. Aber auch da dürften von den ersten Versen der eine oder andere noch über die Klinge springen. Schwieriger war der Auftritt für das «Schunggebegräbnis». Der Unmut des Premierenpublikums musste bereits auf der Bühne spürbar geworden sein. Obwohl gesanglich gut vorgetragen, hielt sich die Freude im Publikum in Grenzen.

(Regionaljournal Basel, 06:32/17:30 Uhr)