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Basel Baselland Patienten machen Bogen um Bruderholzspital

Das Bruderholzspital verlor in den letzten zwei Jahren mehr als zehn Prozent Patienten. Wenn dieser Aderlass so weiter gehe, müsse das Spital sein Angebot drastisch reduzieren, warnen Experten.

Legende:
Entwicklung der Patientenzahlen in Basel-Landschaft: Spital Liestal +3,30%, Bruderholz -11,15%, Laufen +5,41%

Patienten machen immer häufiger einen Bogen um das Bruderholzspital. Über tausend Patienten oder umgerechnet mehr als zehn Prozent verlor das Spital allein in den letzten zwei Jahren.

Bis jetzt hielt das Kantonsspital Baselland Zahlen zu den einzelnen Standorten unter dem Deckel. Doch jetzt zeigen zum ersten Mal Dokumente, die dem Regionaljournal Basel vorliegen, dass das Bruderholzspital in den letzten zwei Jahren über 1000 Patientinnen und Patienten verloren hat.

Wenn der Aderlass so weiter geht, kann man auch mit langfristigen Massnahmen nichts mehr retten.
Autor: Felix SchneuwlyGesundheitsexperte

Die Situation sei ernst, sagt der Krankenkassenexperte des Internetvergleichsdienst Comparis und ehemalige Sprecher des Krankenkassenverbandes Santésuisse, Felix Schneuwly: «Wenn der Aderlass der Patienten so weiter geht, kann man auch mit langfristigen Massnahmen nichts mehr retten, weil es dann zu spät ist.» Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das Bruderholzspital vor allem bei der Orthopädie, aber auch bei der Frauenklinik Patientinnen und Patienten verloren hat.

Damit bekommt das Spital den Abgang von mehreren leitenden Orthopädie-Ärzten zu spüren. Dies allein erkläre den Aderlass aber nicht, betont Experte Schneuwly: «Wenn man als Spital solid unterwegs ist, kann man einen solchen grösseren Abgang auch rasch kompensieren.»

Patientenzahlen Kantonsspital Baselland


201220132014*Veränderung
Spital Bruderholz
10'885

9770

9671

-11,15%
-davon Orthopädie
2493

1763

1529

-38,67%
-davon Frauenklinik
2226

1981

1962
-11,86%





Spital Liestal
14'434

14'704

14'910
+3,30%





Spital Laufen
2273

2292

2396
+5,41%
*alle Spitäler ohne Geriatrie/Reha. Patientenzahlen 2014: Hochrechnung (Forecast) gestützt auf Ergebnis Januar bis Mai 2014.



Jeder verlorene Patient bedeutet weniger Einnahmen

Schneuwly warnt davor, die Situation auf die leicht Schulter zu nehmen. «Wenn die Patienten nicht kommen, die Nachfrage also zurückgeht, muss man das Angebot drastisch redimensionieren.»

Für den Fraktionspräsidenten der Grünen, Landrat Klaus Kirchmayr und Kritiker des Gesundheitswesen ist das ein Alarmzeichen: «Das ist gravierend. Der Standort Bruderholz bereitet grössere wirtschaftliche Sorgen. Der Ertrag sinkt, während die Kosten gleich hoch bleiben.» Denn jeder verlorene Patient bedeute automatisch auch weniger Einnahmen. Tausend Patienten weniger, das bedeutet ein Verlust in Millionen Höhe.

Orthopädie brach regelrecht ein

Am meisten Patienten verlor das Bruderholzspital auf der Abteilung Orthopädie. Dort brachen die Zahlen regelrecht ein, nachdem mehrere leitende Ärzte das Spital verlassen hatten. Ebenfalls einen Rückgang hinnehmen musste zum Beispiel die Frauenklinik. Über das ganze Spital gerechnet, verlor das Bruderholzspital mehr als zehn Prozent seiner Patientinnen und Patienten.

Vor diesem Hintergrund rückt auch der Entscheid des Verwaltungsrats in ein neues Licht. Der Entscheid, das Bruderholz nicht mehr für über hundert Millionen Franken zu sanieren, sondern nur noch das Nötigste zu investieren. Dabei geht es vor allem auch darum, Kosten zu sparen. «Jede Lösung, die wir umsetzen, wird so sein, dass die Kosten pro Patient tiefer sind als heute», sagte letzte Woche der Verwaltungsratspräsident des Kantonsspitals, Werner Widmer. Heute wollte beim Kantonsspital Baselland niemand zu den Patientenzahlen Stellung nehmen. Man befasse sich nicht mit der Vergangenheit, sondern wolle jetzt den Blick vorwärts richten.

Auch bei der Baselbieter Gesundheitsdirektion wollte sich niemand zu den Zahlen äussern. Letzte Woche hatte Gesundheitsdirektor Thomas Weber eine neue Eigentümerstrategie fürs Kantonsspital vorgestellt. In dieser macht die Regierung klare Vorgaben. Ob das Bruderholzspital mit diesem Aderlass ein vorgegebenes Ziel verfehlt oder nicht, war nicht in Erfahrung zu bringen. Man wolle das operative Geschäft des Kantonsspitals Baselland nicht kommentieren.

Der Verwaltungsrat sucht jetzt im Unterbaselbiet nach einem Standort für einen Spitalneubau und hofft dabei, dass nicht noch mehr Patienten abspringen, bis das neue Spital dann den Betrieb aufnehmen kann.

(Regionaljournal Basel, 06.32 Uhr)

2 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Hunziker, 4456 Tenniken
    Bekanntlich entscheidet ja der Markt! Also braucht es offenbar den Betonklotz auf dem Bruderholz nicht mehr...auch für die paar LaufentalerInnen nicht. Weg damit!!!
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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Das ist äusserst schade! Das Personal und die Ärzte waren ganz im Gegensatz zum Moloch Unispital Basel äusserst freundlich und kompetent! Warum muss man immer alles zerstören, nur weil ein paar Verwaltungsräte immer mehr Kohle scheffeln wollen? Und ehrlich, anstelle Milliarden in einen Neubau irgendwo in der Pampa hineinzupumpen, sollte man das Geld sinnvoll in bestehende Infrastruktur investieren. Aber eben, "freie" Wirtschaft CH: die Grossen werden noch grösser, die Kleinen gehen ein!
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