Professur-Knatsch an Uni Basel: Theologen sollen über die Bücher

Die Theologische Fakultät der Universität Basel soll das Berufungsverfahren für eine frei werdende Professur nach einer Aussprache teilweise neu aufrollen. Das Berufungsverfahren wurde öffentlich stark kritisiert, weil die Berufungskommission keine Frau für die Professur vorgeschlagen hatte.

Kollegiengebäude der Universität Basel

Bildlegende: Streit um Frauenquote: An der Uni Basel wird das Berufungsverfahren für eine Theologie-Professur noch einmal lanciert Juri Weiss

Ins umstrittene Bewerbungsverfahren für die Theologie-Professur fürs Neue Testament an der Universität Basel kommt Bewegung. An einer Aussprache zwischen Rektor Antonio Loprieno, dem Dekan der Theologen, Martin Wallraff, und Kirchenratspräsident Lukas Kundert von der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt einigte man sich darauf, das umstrittene Verfahren teilweise neu aufzurollen.

Lukas Kundert gehört zu den Kritikern des laufenden Bewerbungsverfahrens, weil die Berufungskommission der Theologischen Fakultät keine Frau empfohlen hat - dies obwohl bisher alle neun Professuren von Männern besetzt sind und die Fakultät eigentlich den Auftrag hätte, bald eine Professur mit einer Frau zu besetzen.

«Zwei Schritte zurück»

Kundert freut sich nun, dass das Verfahren teilweise neu aufgerollt werden soll. Im Regionaljournal Basel von SRF 1 betont er aber, dies sehe er nicht als Sieg für sich, sondern als Gelegenheit für die Fakultät, die bisherigen Bewerbungen nochmals zu prüfen und vielleicht auch bisher unberücksichtigte Kandidatinnen zu einem Bewerbungsgespräch einzuladen.

Als Dekan der Theologischen Fakultät zeigt sich auch Martin Wallraff einverstanden mit der Lösung, die im Gespräch gemeinsam mit Rektor Antonio Loprieno gefunden wurde. Es sei «sicher weise», wenn das oberste Gremium der Theologischen Fakultät die Empfehlung aufnehme und das Berufungsverfahren nochmals überprüfe. Wallraff betont allerdings auch, im Gespräch habe er keine Kritik am bisherigen Verfahren gehört. Und er selber sehe auch keinen Grund, das Verfahren zu kritisieren - auch nicht, dass bisher keine Frau auf die Professur für Neues Testament empfohlen wird.

Damit bleibt die Differenz in den Meinungen zwischen Wallraff und Kundert, der an seiner Kritik am Bewerbungsverfahren festhält. Diese Differenz sei im Moment aber zweitrangig - wichtiger sei die Tatsache, dass eine weiterführende Lösung gefunden wurde, betont Lukas Kundert und lobt hierbei die Gesprächsführung von Rektor Antonio Loprieno. Er habe die Rolle des Vermittlers eingenommen. Für die Theologische Fakultät heisse dies nun, im Verfahren zwei Schritte zurück zu machen und die Bewerbungen eingehend zu prüfen.

Ein Problem für die Forschung und Lehre sehe er nicht. Zwar werde Professor Ekkehard Stegemann Ende Jahr pensioniert, doch sei es an der Universität üblich, bei vakanten Lehrstühlen mit Stellvertretern zu überbrücken.