Randalierende Fans: Steilpass für schärfere Hooligan-Gesetze?

Es waren wüste Szenen vor dem Cupfinal in Bern: Mit Steinen, Stühlen und Feuerwerkskörpern gingen FCB und GC-Fans aufeinander los. Und das ausgerechnet jetzt, da die Diskussion über eine Verschärfung des Hooligan-Konkordats auf Hochtouren läuft.

Die Basler Fans auf ihrem Marsch ins Stade de Suisse.

Bildlegende: Die Basler Fans auf ihrem Marsch ins Stade de Suisse. Keystone

Kaputte Fensterscheiben, beschädigte Autos, Tränengas, Gummischrot und zehn Verletzte: Was sich vor dem Cupfinal in Bern abspielte, bewegt den Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause auch am Tag danach. «Die Gewaltbereitschaft und die Zielstrebigkeit mit der man aufeinander losgegangen ist, hat eine Qualität, wie ich das noch nie erlebt habe.»

«Der Beweis ist erbracht»

Auch der Präsident der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz, KKJPD, der Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser, ist konsterniert. Vor allem der Zeitpunkt erstaunt ihn. Immerhin werde doch in Zürich in knapp drei Wochen über schärfere Gesetze gegen gewaltbereite Fussballfans abgestimmt. Gegen dieses sogenannte Hooligan-Konkordat hatten linke Kreise in Zürich das Referendum ergriffen. Jetzt ist Hans-Jürg Käser überzeugt, dass dieses Referendum in Zürich zugunsten des Konkordates ausgehen wird. «Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dann ist dieser jetzt erbracht worden.»

Falsche Taktik der Berner Polizei?

Ganz anders sehen dies die Kritiker des Hooligan-Konkordats. «Tatsache ist, dass mit den Massnahmen des Hooligan-Konkordats die Ausschreitungen nicht hätten verhindert werden können», sagt der Baselbieter FDP-Landrat Balz Stückelberger. Er nerve sich darüber, dass die Ausschreitungen nun für Propaganda missbraucht werde. «Das verschärfte Hooligan-Konkordat hätte hier nicht viel gebracht», findet auch der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP).

Ähnlich tönt es von Thomas Gander, Fanarbeiter und Basler SP-Grossrat. Er macht der Berner Polizei leise Vorwürfe. Diese hätte sich für die falsche Taktik entschieden, habe es draufankommen lassen und sich im nachhinein gefragt, wie es soweit kommen konnte. 

«Die Meinungen sind gemacht»

Über das verschärfte Hooligan-Konkordat entscheiden nach den Sommerferien auch die Parlamente in den beiden Basel - der Grosse Rat und der Landrat. Schon im Vorfeld hatten mehrere Parlamentarier aus beiden Kantonen und verschiedenen politischen Lagern ihren Widerstand angekündigt.

Die Chancen der Gegner stehen gut: In beiden Parlamenten stehen die Zeichen auf Ablehnung des Hooligang-Konkordats. Dass sich an dieser Ausgangslage seit gestern etwas geändert hat, ist unwahrscheinlich. Der SVP-Grossrat und Befürworter der Konkordatslösung Joël Thüring sagt: «Die Meinungen sind bereits gemacht.»

Video «Fussball-Ausschreitungen in Bern» abspielen

Fussball-Ausschreitungen in Bern

1:10 min, aus Tagesschau vom 20.5.2013

Hooligan-Konkordat: Kernpunkte

Eishockey- und Fussballspiele der obersten Klasse brauchen eine Bewilligung. Die Kantone können Auflagen, zum Beispiel zum Alkoholausschank oder zum Ticketverkauf, machen. Rayonverbote können für bis zu drei Jahren ausgesprochen werden. Mehr Möglichkeiten bei Leibesvisitationen.