Zum Inhalt springen

Header

Audio
Eklat auf der Roche-Baustelle
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 26.03.2020.
abspielen. Laufzeit 02:39 Minuten.
Inhalt

Roche-Baustelle Fristlos entlassen nach Facebook-Post mit Corona-Bild

Weil ein Bauarbeiter ein Foto von der Roche-Baustelle postete, auf dem Arbeiter kaum den nötigen Abstand einhalten, wurde er fristlos entlassen.

Gestern ging Rolf Müller (Name geändert) wie jeden Morgen zur Arbeit auf eine der grössten Baustellen in der Region: die Baustelle des Pharmariesen Roche. Als sich Dutzende von Bauarbeitern am frühen Morgen auf der Baustelle versammelt hätten, habe er davon ein Bild gemacht, sagt er. Das Bild zeigt den Raucherplatz, auf dem sich auch in den letzten Tagen immer Dutzende von Bauarbeitern getroffen hätten.

Bild von Baustelle
Legende: Dieses Bild, das er am Mittwoch gemacht habe, kostete den Bauarbeiter den Job. SRF

Er postete das Bild auf Facebook mit dem Kommentar «Und täglich grüsst das Corona-Tier» - keine drei Stunden später habe ihn der Leiter der Baustelle ins Büro zitiert und ihm eröffnet, dass er die Baustelle sofort verlassen müsse. Es sei nicht erlaubt auf dem Areal Bilder zu machen. «Er sagte mir, mein Bild sei auf Facebook viral gegangen. Jetzt würden sie mich von der Baustelle verweisen», sagt Rolf Müller.

Schliesslich habe ihn der Chef der Firma, bei der er angestellt sei, informiert, dass er deswegen jetzt fristlos entlassen sei. Trotzdem bereue er nicht, dass er das Bild öffentlich gemacht habe: Den vom Bund verlangten Abstand könne man auf solchen Baustellen nicht einhalten und das habe er zeigen wollen.

Roche bedauert die fristlose Kündigung

Roche bestätigt den Vorfall. Standortleiter Jürg Erismann betont aber, dass nicht Roche diese fristlose Kündigung ausgesprochen habe, sondern der zuständige Chef des Bauarbeiters. Roche habe nur das Areal-Verbot ausgesprochen, weil es verboten sei Fotos zu machen und ohne Einverständnis zu veröffentlichen. «Es ist bedauerlich, dass diesem Mitarbeiter nun gekündigt wurde», sagt Erismann.

Wenn ein Bauarbeiter das Gefühl habe, es sei etwas nicht korrekt, gebe es Anlaufstellen, an welche man sich wenden könne; und nicht die sozialen Medien. Erismann betont, auf den Baustellen der Roche würden die Vorschriften des Bundesamtes für Gesundheit umgesetzt: Distanz halten beim Arbeiten, in der Kantine, in Pausen, auf Raucherplätzen. Dort, wo dies nicht möglich gewesen sei, habe man sogar Arbeiten eingestellt. Konkret seien die Baustellen deswegen zur Zeit nur zu 60 Prozent in Betrieb.

Kündigung könnte missbräuchlich sein

Bereits gibt es eine erste Stellungnahme des Bundes zu diesem Vorfall, den das Regionaljournal Basel jetzt publik macht. Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft sagte an der heutigen Corona-Pressekonferenz: «Es sei an Mitarbeitern auf Missstände hinzuweisen. Wenn die Missstände objektiv nicht haltbar waren, könnte ich mir vorstellen, dass diese Kündigung missbräuchlich ist.»

Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

24 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Samuel Wanitsch  (Sämu)
    Eigentlich müsste Roche klar darauf hinweisen: Achtung Sie verlassen den demokratischen Sektor, wenn Sie unser Territorium betreten...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von mahmut alane  (holundder)
    Einfach eine Schande wie einfach man jemanden entlassen darf. Klar kann er klagen aber er hat dabei immer ein finanzielles Risiko einzugehen. Ein Gesetz muss her, welches die Angestellten schützt, wenn sie Missstände aufzeigen. Unternehmen können machen was sie wollen...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Walter Plüss  (Walep)
    Solche öffentlichkeitsgeilen Denunzianten und Möchtegern hilfssheriffs ist das allerletzte was wir in dieser Zeit brauchen. Jede Baustelle hat eine Baustellen-Leitung. Roche hat einen eigenen sicherheitsdienst. Und wenn das nicht fruchtet ist die Polizei dafür da.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen