Schwarzarbeits-Kontrollen im Baselbiet brechen ein

Lange galt das Baselbiet als Vorzeigekanton im Kampf gegen Schwarzarbeit. Die Kontrolleure führten viele Kontrollen durch und der Kanton schuf scharfe Gesetze. Doch jetzt ist die Zahl der Kontrollen regelrecht eingebrochen.

Kontrolleur befragt einen Bauarbeiter auf einer Baustelle

Bildlegende: Das Baugewerbe gilt als besonders anfällig für Schwarzarbeit. Keystone

Der Kampf gegen Schwarzarbeit ist im Baselbiet Chefsache. So sagte der Baselbieter Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber an einer Pressekonferenz vor einem guten Jahr: «Baselland hat scharfe Waffen gegen Schwarzarbeit und Lohnmissbräuche. (...) Das Risiko ist gross, dass man erwischt wird.» Doch genau dieses Risiko ist massiv kleiner geworden. In keinem anderen Kanton ging die Zahl der Kontrollen letztes Jahr so stark zurück wie im Baselbiet. Dies geht aus dem neusten Schwarzarbeits-Bericht des Staatssekretariats für Wirtschaft hervor.

Schwarzarbeits-Kontrollen im Baselbiet im Jahr 2014


kantonale FachstelleZentrale Arbeitsmarkt-Kontrolle ZAK
Stellenprozente
250%300%
kontrollierte Betriebe37642
kontrollierte Personen716147
ausgelöste Bussen
102'680 Franken
4'528 Franken

Konkret führten die Kontrolleure im Jahr 2014 544 Kontrollen weniger durch als im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von rund einem Drittel. Im Baselbiet gibt es zwei Organe, die Schwarzarbeits-Kontrollen durchführen: eine kantonale Fachstelle und die Zentrale Arbeitsmarkt-Kontrolle, kurz ZAK. Gegründet von Gewerkschaftsbund und Wirtschaftskammer, ist die ZAK im Umfeld der Baselbieter Wirtschaftskammer angesiedelt. Die ZAK kontrolliert die besonders anfällige Baubranche und kassiert für diese Kontrollen jährlich 650'000 Franken vom Kanton.

Kanton kontrollierte mit weniger Kontrolleuren viel mehr

Recherchen des Regionaljournals zeigen jetzt: Während die Zahlen beim Kanton stabil blieben, kontrollierte die ZAK massiv weniger, nämlich gerade einmal 42 Betriebe und 147 Personen. Zum Vergleich: Der Kanton kontrollierte mit weniger Kontrolleuren rund neun Mal mehr Betriebe, nämlich 376, und 716 Personen. Am deutlichsten wird der Unterschied bei den Bussen: Der Kanton kassierte über 100'000 Franken, die ZAK-Kontrollen lösten nicht einmal 5'000 Franken Bussen aus.

Warum die ZAK so viel weniger kontrollierte, ist unklar. Bei der Volkswirtschaftsdirektion wollte sich dazu niemand äussern. Man wolle erst einmal den Jahresbericht der ZAK abwarten. Bei der ZAK selbst war niemand für eine Stellungnahme erreichbar. So bleibt offen, wie es dazu kommen konnte, dass die ZAK letztes Jahr kaum Schwarzarbeits-Kontrollen durchgeführt, dafür aber trotzdem 650'000 Franken kassiert hat.

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)