Seltsamer Fall von Sterbehilfe wird Thema in Basler Parlamenten

Ein Italiener hat im April dieses Jahres in Basel Suizid begangen. Begleitet wurde er von einer Sterbehilfe-Organisation - nachdem er vermutlich gefälschte Arztzeugnisse vorgelegt hatte. Die EVP will nun mit politischen Vorstössen verhindern, dass Menschen für Sterbehilfe in die Schweiz reisen.

Zimmer mit Bett sowie Kerze und Medikament auf Tisch

Bildlegende: Ansicht eines Sterbezimmers der Sterbehilfeorganisation Dignitas. Keystone

Politikerinnen und Politiker der EVP machen sich Sorgen: Die Schweiz werde zum «Todesland», Basel zur «Sterbestadt», wie die Basler Grossrätin Annemarie Pfeifer am Montag an einer Medienkonferenz sagte. Anlass für ihre Sorge: Sterbehilfe-Organisationen wie die neu in der Region Basel eröffnete «Eternal Spirit», die auch Ausländern Beihilfe zum Suizid leistet.

Selber geschriebene Arztzeugnisse

Für ihren Kampf gegen Sterbetourismus machten mehrere EVP-Kantonalpolitiker am Montag einen seltsamen Fall von Sterbehilfe publik: Ein 62-jähriger italienischer Richter soll sich unter dem Vorweisen falscher Dokumente, die ihm die Geschlechtskrankheit Syphilis bescheinigten, in Basel Sterbehilfe quasi erschlichen haben.

Zum Beweis präsentierte die Basler EVP-Grossrätin Annemarie Pfeifer am Montag den Medien mehrere Dokumente: «In seinem Abschiedsbrief an die Tochter schrieb der Mann klar, dass er die Arztzeugnisse selber geschrieben oder erschlichen habe.» In Wahrheit sei der Mann vermutlich depressiv gewesen und habe deswegen aus dem Leben scheiden wollen.

«Falsch diagnostiziert - mit Todesfolge»

Die verantwortliche Ärztin der Organisation «Eternal Spirit» habe, indem sie sich ebenfalls auf die vermutlich falschen Zeugnisse stützte, genauso «falsch diagnostiziert - mit Todesfolge». Der Anwalt der Ärztin, Moritz Gall, kontert: Die Begleitung des Patienten sei «in Übereinstimmung mit den geltenden Gesetzen und Verordnungen» erfolgt, sagt Gall im «Regionaljournal Basel» von Radio SRF.

Aus Sicht der EVP zeigt der Fall klar: Ausländische Dokumente genügten kaum als Entscheidungsgrundlage für Schweizer Sterbehilfe-Organisationen. Pfeifer: «Da müsste man in der Schweiz festlegen, dass bei solchen Gutachten Schweizer Mindeststandards gelten.»

«In 30 Jahren so etwas nicht erlebt»

Die Partei will daher den Sterbetourismus in die Schweiz eindämmen. Mit vier ähnlichen Vorstössen in den vier Nordwestschweizer Kantonsparlamenten machen EVP-Kantonspolitikerinnen und -politiker nun auf den Fall aufmerksam. Die Basler EVP-Grossrätin Annemarie vermutet weitere, ähnliche Fälle.

Bei der Sterbehilfe-Organisation «Exit» sagt Vizepräsident Bernhard Sutter: «Ein Fall dieser Art, mit gefälschten Arztzeugnissen, ist uns in 30 Jahren nicht begegnet - da handelt es sich ganz klar um einen Einzelfall.» Wenn die EVP Suizidhilfe verbieten wolle, sei dies «unethisch und politisch chancenlos».