Thai-Curry statt Favelas an der Art Basel

An der diesjährigen Art Basel wird ein thailändischer Konzept-Künstler auf dem Messeplatz Curry und Kräutertee servieren. Das Basler Künstlerkollektiv «diezelle» plant dieses Jahr keinen Protestauftritt.

Das Favela-Dorf vor den Hallen der Art Basel.

Bildlegende: Das Favela-Dorf hat an der Art Basel 2013 zu einem Polizei-Einsatz geführt. Keystone

Besucherinnen und Besucher der Art Basel können im Juni auf dem Messeplatz thailändisch essen und gleichzeitig Teil einer Kunstinstallation sein. Der thailändische Künstler Rirkrit Tiravanija ist berühmt für seine Koch-Performances und steht persönlich hinter der Theke – zusammen mit drei Studenten der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK).

Ein cleverer Schachzug der Art Basel?

Auf dem Messeplatz kam es während der Art Basel in den letzten zwei Jahren zu Auseinandersetzungen. Vor zwei Jahren räumte die Polizei eine Favela-Kunstinstallation, nachdem lokale Kunstaktivisten diese spontan erweitert hatten. Letztes Jahr nahm die Polizei das Basler Künstlerkollektiv «diezelle» fest, das mit Papptellern gegen den Polizeiaufmarsch vom Vorjahr protestieren wollte. Dass die Art Basel nun die Koch-Performance plane, sei ein schlauer Schachzug, sagt Renatus Zürcher vom Kollektiv «diezelle»: «Die Art Basel macht das clever: Sie lädt einen berühmten Künstler ein, garniert das Ganze mit jungen Studierenden und ist so auf dem Messeplatz präsent.» Die Messe versuche so, neue Proteste zu verhindern, vermutet Zürcher.

Credit Points für die Teilnahme

Dass sich drei Kunst-Studierende der HGK von der kommerziellen Art Basel einspannen lassen, versteht der Künstler Renatus Zürcher ein Stück weit: Auch Künstler müssten heute einen möglichst eindrücklichen Lebenslauf vorlegen. Mühe hat Zürcher damit, dass die Teilnahme am Kunst-Projekt mit Credit Points belohnt werde – mit den Punkten, die Studierende sammeln, um die Hochschule abschliessen zu können.

Eine Idee des Künstlers

Eveline Wüthrich, Mediensprecherin der Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK), rechtfertigt die Vergabe von Credit Points. Die drei Studenten kochten nicht etwa nur Thai-Curry, sondern beschäftigten sich ein Semester lang mit diversen Facetten des Kunstprojekts. Dabei finde durchaus auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem kommerziellen Kunstmarkt statt. Wüthrich betont weiter: «Nicht die Kunstmesse Art Basel hat uns kontaktiert. Es war der Künstler selber, der mit Studierenden zusammenarbeiten wollte.»

«  Die Art Basel macht das clever. »

Renatus Zürcher
Künstlerkollektiv «diezelle»

Dorothee Dines von der Art Basel unterstreicht: «Die geplante Kunstaktion ist keine Reaktion auf die Ereignisse vom letzten Jahr. Die Art Basel ist seit mehreren Jahren auf dem Messeplatz präsent.»

Künstlerkollektiv dieses Jahr ohne Pläne

Laut Renatus Zürcher plant das Kollektiv «diezelle» im Juni keinen Auftritt. Das Kollektiv hat eine Sammelklage gegen die Verantwortlichen der Polizei eingereicht. Weil das Verfahren noch hängig ist, übt sich das Kollektiv in Zurückhaltung. Zürcher lässt jedoch durchblicken, dass andere Gruppierungen bereits Proteste planen. Es ist möglich, dass es im Juni auf dem Messeplatz nicht nur thailändischen Curry gibt, sondern dass Künstlerinnen und Künstler daneben ihre eigene Suppe kochen.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)