Tierische Rasenmäher auf Basler Wiesen

Ein Zimmermann, ein Biologe und ein Landschaftsarchitekt aus Bubendorf haben zusammen 100 Schafe gekauft. Diese vermieten sie nun in der ganzen Region an Gemeinden und die SBB: als lebende Rasenmäher. Derzeit befinden sich zwölf Schafe am Stadtrand von Basel.

Skudde-Schafe auf einer Wiese beim Allschwiler Weiher.

Bildlegende: Skudde-Schafe auf einer Wiese beim Allschwiler Weiher. Patrick Künzle/SRF

Beim Allschwiler Weiher, unmittelbar neben einigen Wohnhäusern, gibt es eine Wiese von der Grösse eines Fussballfeldes. Vor einem Jahr dröhnte im Juni hier ein Rasenmäher, um die Wiese zu kürzen.

Diese Zeiten sind vorbei. Heute klingt es auf der Wiese ganz anders, obwohl sie ebenfalls gemäht wird. Zwölf Schafe stehen dort und fressen sich Halm für Halm vorwärts. Da sie keine Glocken um den Hals haben, ist kaum etwas von ihnen zu hören.

Die Schafe sind tierische Rasenmäher. Auch wenn Michael Dieterle, der mit seiner Firma «Naturpflege» die Schafe vermietet, diese Bezeichnung nicht so mag: «Tierische Rasenmäher - das ist etwas despektierlich, weil die Schafe die Wiese sehr viel feiner mähen als ein Rasenmäher.»

Schafe verschnetzeln keine Eidechsen

Die Schafe würden die Arbeit leiser und vor allem auch umweltschonender verrichten als ein Rasenmäher, sagt Michael Dieterle. Anders als Maschinen verschnetzeln sie keine Insekten oder Eidechsen. Im Gegenteil: Sie helfen sogar mit, dass sich verschiedene Tiere auf der Wiese zuhause fühlen. «Wenn Tiere eine Wiese abfressen, ist diese nicht gleichmässig geschnitten. Und so entsteht eine Strukturvielfalt, welche die Basis ist für das Leben von Kleintieren und Insekten.»

Zehn Tage bleiben die Schafe auf der Wiese beim Allschwiler Weiher. Danach gehen sie an einen anderen Ort in der Nordwestschweiz. Es sind vor allem Gemeinden, aber auch die SBB, die Schafe mieten. In Basel ist es die Stadtgärtnerei. Heinz Schindler von der Stadtgärtnerei sagt, er sei selber gespannt, wie gut sich die Schafe als Rasenmäher bewähren. «Für uns ist das ein interessantes Pilotprojekt.»

Dass sich die Schafe bewähren, daran zweifelt Schafsbesitzer Michael Dieterle keine Sekunde. Er ist ohnehin ein Überzeugungstäter. Ihm liegt die Artenvielfalt am Herzen. Darum sind es auch ganz besondere Schafe, die er vermietet: alte, gefährdete Rassen. Beim Allschwiler Weiher sind es Skudde-Schafe. Die Schafe kämen auch bei Passanten gut an, sagt Michael Dieterle. «Diese Rasse finden die Leute meistens herzig. Mit ihren dünnen Beinen und ihrem Wollknäuel-Körper sind sie Bilderbuch-Schafe.»

(Regional Diagonal, 12.03 Uhr)