Umstrittenes Mädchenheim kann starten

In der Anwohnerschaft war ein geplantes Mädchenheim im Basler Kannenfeldquartier auf Widerstand gestossen. Nun wird die Einrichtung für Mädchen, deren Leben aus dem Lot geraten ist, dennoch eröffnet, jedoch ohne geschlossene Abteilung. Jene wird an einem weniger umstrittenen Standort realisiert.

Blick auf das neu umgebaute zweigeschossige Mädchenheim.

Bildlegende: Mädchenheim Flughafenstrasse 20 Die ehemalige Fahnenfabrik an der Flughafenstrasse wurde umgebaut zu einem Heim für Mädchen in Krisensituationen. SRF

Seit 40 Jahren betreibt der Verein «Foyers Basel» im Stadtkanton vier Einrichtungen für Mädchen in Krisensituationen. Dazu zählen auch zwei Heime im Neubad, die der Öffentlichkeit bisher nicht weiter aufgefallen waren. Das änderte sich, als bekannt wurde, dass die Heime aus Platzgründen vom Neubad ins Kannenfeldquartier ziehen wollten.

Ein Mädchenheim samt geschlossener Abteilung im Wohnquartier neben dem Kannenfeldpark: Diese Pläne schreckten etliche Anwohner und Anwohnerinnen des Kannenfeldquartiers auf. Der «Mädchenknast», so argumentierten manche, bringe Unruhe, Gewalt und eine schlechte Ausstrahlung ins Quartier. Mit rund 30 Einsprachen wollten sie die neue Einrichtung verhindern.

Eröffnungsfeier

Nun wird sie dennoch eröffnet mit einer Feier am 16. August. Ende Monat nimmt das neue Heim an der Flughafenstrasse 20 den Betrieb auf. Die Anwohner haben sich also nicht voll durchgesetzt. Aber teilweise schon: Die neue Einrichtung ist nämlich ein offenes Heim für zehn 14- bis 18jährige Mädchen, deren Leben aus dem Lot geraten ist. Auf eine geschlossene Abteilung, also auf den umstrittensten Teil des Heims, hat «Foyers Basel» im Kannenfeldquartier hingegen verzichtet.

Geschlossene Abteilung nun im Kleinbasel

Diese geschlossene Abteilung kann der Verein aber am 16. August dennoch eröffnen, in einem zweiten neuen Mädchenheim an der Römergasse. Im Quartier des ehemaligen Kinderspitals seien die Anwohner mit sozialen Einrichtungen vertraut. Widerstand habe es hier nicht gegeben, sagte dessen Leiter Lorenz Meier gegenüber dem Basler Regionaljournal. Ohnehin sei die geschlossene Abteilung kein «Knast», es gehe nicht ums Bestrafen, sondern um Beziehungsarbeit mit Jugendlichen, die beispielsweise überall davon laufen.

Die Ängste im Kannenfeldquartier kann er nachvollziehen. Sie seien auch nicht neu: Bereits im Neubad sei das Mädchenheim mit geschlossener Abteilung auf Opposition gestossen - als es vor 30 Jahren neu gegründet wurde. Die damaligen Befürchtungen seien aber mit den Jahren verflogen.