Vom Wickeltisch zurück ans Spitalbett

Den Spitälern droht in den kommenden Jahren ein Personalnotstand in der Pflege. Aus diesem Grund wollen das Kantonsspital Baselland und auch das Basler Unispital versuchen, Frauen nach der Baby-Pause zu einem Wiedereinstieg in den Beruf zu bewegen.

Pflege

Bildlegende: Mütter, die ihren Beruf wegen den Kindern an den Nagel gehängt haben, sollen zurück ins Spital. Keystone

Ein allzu grosses Potential sieht Odette Häfeli, Leiterin Ausbildung und Entwicklung am Basler Universitäts-Spital nicht. Aber bei dem sich abzeichnenden Personalnotstand müsse man um jede Stelle kämpfen, die man besetzen kann.

Problematische Situation

Die Situation auf dem Personalmarkt in den kommenden Jahren ist in der Tat problematisch: die Baby-Boomer kommen ins Rentenalter, das heisst, viel Pflegepersonal wird demnächst pensioniert. Im aktiven Berufsleben bleiben die geburtenschwachen Jahrgänge. Und auf diese kommen mit der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung mehr Behandlungen und Operationen zu.

Vor diesem Hintergrund wollen die Spitäler gezielt Aussteigerinnen zu einem Wiedereinstieg motivieren. Dafür soll in erster Linie die Hemmschwelle gesenkt werden. Gerade Frauen, die mehrere Jahre der Kindererziehung und Familienarbeit gewidmet haben, würde es oft an Selbsteinschätzungsvermögen leiden, sagt Corina Vuilliomenet, Berufsbildnerin am Kantonsspital Baselland.

Das Kantonsspital Baselland (KSBL) hat deshalb ein Wiedereinstiegs-Programm ausgearbeitet, das das die Frauen genau dort abholen will: an einer Art Schnuppertag sollen die Frauen selber erfahren, dass sich in ihrem Beruf in der Zwischenzeit zwar einiges verändert hat, vieles aber auch beim alten geblieben ist. Danach können die interessierten Frauen in einem Kurs am Basler Clara-Spital ihre Defizite aufarbeiten. Das Clara-Spital hat bereits vier solche Kurse durchgeführt und dabei habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Sprecherin Trix Sonderegger. Das KSBL will Anfang November mit Informationsveranstaltungen an den Standorten Liestal, Bruderholz und Laufen auf die Möglichkeit hinweisen.

Praktikantinnen mit Krankenschwersternlohn am Unispital

Dasselbe Ziel verfolgt dass Universitätsspital Basel – allerdings wählt es einen anderen Weg: interessierte – und für geeignet befundene – potentielle Wiedereinsteigerinnen bekommen die Möglichkeit, während einem halben Jahr als Praktikantinnen in der Arbeitswelt wieder Fuss zu fassen – allerdings mit dem Lohn einer diplomierten Krankenschwester. So hätten die Frauen weniger Druck und könnten prüfen, ob sie den Wiedereinstieg wirklich wollen, sagt Ausbildungsleiterin Odette Häfeli. Denn diese Frauen müssten sich überlegen, ob sie – neben ihrem Familienleben – die Hektik und den Stress eines Akutspitals noch wollen.

(Regionaljournal Basel, 06:32 Uhr)