Vor 100 Jahren hielt Carl Spitteler seine historische Rede

Der Liestaler Carl Spitteler erhielt 1919 den Literatur-Nobelpreis. Dennoch kennt man ihn weniger für seine Literatur, als für eine historische Rede, die er vor ziemlich genau 100 Jahren, am 14. Dezember 1914 in Zürich hielt.

Porträt von Carl Spitteler

Bildlegende: 100 Jahre ist es seit Spittelers berühmter Rede her. Wikimedia

Eigentlich wollte Carl Spitteler die Rede gar nicht halten. «So ungern als möglich trete ich aus meiner Einsamkeit in die Öffentlichkeit», eröffnete Spitteler die Rede. Doch: «Wir haben es dazu kommen lassen, dass anlässlich des Krieges zwischen dem Deutsch sprechenden und dem Französisch sprechenden Landesteil ein Stimmungsgegensatz entstanden ist.» Spitteler rief die Schweizer Bürgerinnen und Bürger dazu auf, zusammen zu halten. Die Schweiz müsse sich entscheiden, ob sie gegenüber dem Ausland geschlossen auftreten wolle, oder nicht. Es sei wichtig, dass die Schweiz auf ihrem neutralen Standpunkt beharre.

Verstossener Literat

Spittelers Rede erzielte eine grosse Wirkung. Sie wurde in der Neuen Zürcher Zeitung abgedruckt und in Deutschland als Buch veröffentlicht. Doch der Schriftsteller tat sich damit keinen Gefallen. In Deutschland kam seine Position nicht gut an. Hans Rudolf Schneider, Historiker und Carl Spitteler Kenner: «Man strich ihn aus Literaturlisten, er galt als Verräter.» Carl Spitteler habe dies jedoch geahnt und sei das Risiko bewusst eingegangen.

Zeitlose Bedeutung

Auch wenn die Rede 100 Jahre alt ist, so sei sie dennoch noch immer aktuell. Stichwort: Röstigraben. Hans Rudolf Schneider: «Das Wissen, dass es in der Schweiz verschiedene Kulturräume gibt, dass man diese aber im Innern zusammen bringen soll, finde ich bemerkenswert.»

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)