Wenn Hamlet vor Gericht steht

Bin ich im Theater oder in einem Gerichtssaal? Das muss sich die Zuschauerin und der Zuschauer des Stücks «Please, Continue (Hamlet)» fragen. In dem Stück vermischt sich Shakespeares Tragödie mit der Realität.

Gerichtsverhandlung im Theater.

Bildlegende: Gerichtsverhandlung im Theater. Kaserne Basel

Im Gerichtsfall ist fast alles echt, nur Hamlet, seine Mutter und Ophelia werden von SchauspielerInnen gespielt. Richter, Staatsanwältin, Verteidiger und Experten aber üben diese Funktion alle auch ausserhalb des Theaters aus.

Verhandlungsverlauf: ungewiss

Hamlet steht vor Gericht, weil er den Vater seiner Freundin erstochen haben soll. Einer der berühmtesten Mordfälle der Literaturgeschichte wird neu verhandelt. Es gibt kein Skript, keinen fixen Text. Alle Beteiligten haben lediglich eine 60-seitige Strafakte erhalten und sich gemäss ihrer Funktion auf die Verhandlung vorbereitet. Wie die Verhandlung verläuft und welches Urteil am Schluss gesprochen wird ist zu Beginn völlig offen.

Gefängnis oder Freiheit, das ist hier die Frage

Bei den bisherigen Aufführungen in Frankreich, Belgien, Holland, Polen und der Schweiz wurden bisher höchst unterschiedliche Urteile gefällt - die Palette reicht von Freispruch bis 12 Jahre Haftstrafe. Der Theater- und Performancekünstler Yan Duyvendak und der spanische Regisseur Roger Bernat wollen in «Please, Continue (Hamlet)» aufzeigen, wie subjektiv und unterschiedlich ein Gericht einen Fall beurteilt - ohne dabei willkürlich zu sein. Eindrücklich zeigt die Performance auf, dass die Frage, ob Gerechtigkeit wiederhergestellt werden konnte, weniger vom Urteil abhängt, sondern davon, dass der Fall beurteilt worden ist, dass es eine Verhandlung gab, durchgeführt von Profis. Auch wenn sie die Frage ob Sein oder Nichtsein, bzw. Gefängnis oder Freiheit ganz unterschiedlich beantworten

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)