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Wochengast Regina Wecker: «Frauen kämpfen weniger um Positionen»

Regina Wecker hat massgeblich zur Verankerung der Geschlechtergeschichte und -forschung in der Schweiz beigetragen. Sie hat an der Universität Basel den Lehrstuhl für Gender studies aufgebaut. Im «Regionaljournal Basel» äussert sie sich zu Frauenlöhnen, Regierungsrätinnen und Quoten.

Porträt Regina Wecker
Legende: Wochengast Regina Wecker SRF

Ein Thema, das Regina Wecker stark beschäftigt, sind Frauenlöhne. «Die Differenz zwischen Männern und Frauen ist noch immer zu hoch, das ist eigentlich erstaunlich, da hat man gedacht, dass es sich schneller verändern würde», so Regina Wecker im Gespräch mit dem «Regionaljournal Basel» von Radio SRF.

Es ist schon ernüchternd.
Autor: Regina Wecker

Der Lohn sei ein Ausdruck von Wertschätzung. «Es ist schon ernüchternd.» Es gehe um die grundlegende Frage, wie die Gesellschaft bestimmte Arbeiten bewertet. «Dass die Frauenarbeit schlechter bewertet wird, hat eine lange Tradition», so Wecker.

Frauen und Politik

Regina Wecker war selbst politisch aktiv im Einwohnerrat Reinach. «Gerade in den Gemeinden haben Frauen stark aufgeholt.» Auf die Regierungsratswahlen in Basel-Stadt angesprochen, wo eine Frau kandidiert, sagt Regina Wecker: «Ich finde es sehr auffallend, dass das Frauenthema immer so herausgestrichen wird. Es gibt sofort einen Aufschrei, wenn der Frauenanteil einmal höher ist als der Männeranteil.»

Dass vor allem die bürgerlichen Parteien ein Frauenproblem haben, liege daran, dass ihnen eine Tradition der Frauenförderung fehle, wie sie die linken Parteien eher kennen. «Vielleicht stellen sich in den bürgerlichen Parteien auch mehr Männer als Frauen zur Verfügung. «Frauen steigen dann nicht in den Kampf um Positionen ein.» Man müsse deshalb auch an den Karriere-Mustern etwas ändern.

Für Frauen-Quote

Regina Wecker ist deshalb überzeugt, dass Quoten wichtig sind. «Wenn es keine gibt, dann gibt es eine Männer-Quote. Ich bin eine heftige Verfechterin von Frauen-Quoten, weil ich glaube, dass sie etwas bewirken.»

Regina Wecker stammt ursprünglich aus Berlin. Als sie Ende der 60er-Jahre in die Schweiz kam, gab es hier noch kein Frauenstimmrecht. Da sie eigentlich nicht gekommen sei, um zu bleiben, habe sie sich gar nicht überlegt, wie die politische Landschaft in der Schweiz aussehe. «Ich bin aus beruflichen Gründen gekommen. Aber es hat mich schon erstaunt.»

Diese Woche wurde Regina Wecker 70 Jahre alt. Betrachtet sie die Geschlechter-Thematik heute anders? «Heute betrachte ich das Thema entspannter, ich kann stärker aussuchen, wo ich mich engagieren will. Aber es stört mich stark, wenn an hart erkämpften Dingen wieder gekratzt wird.»

Blick nach vorne

Wo sieht Regina Wecker die Geschlechter-Debatte in 10 oder 20 Jahren? «Die Aufregung um den Begriff «gender» wird sich in Zukunft noch mehr legen. Die Gesellschaft wird erkennen, dass sie beide Geschlechter gleichermassen braucht.»