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Wohnheim für Behinderte Mitarbeitende erheben schwere Vorwürfe gegen Werkstube Aesch

Das Wohnheim werde «diktatorisch» geführt, im Monatsturnus würden Angestellte die Werkstube verlassen. In dieser Situation könnten die geistig und körperlich behinderten Bewohner keine Bindungen zu ihren Betreuern aufbauen.

Es gehe ihr um das Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner Werkstube, sagt Myriam Maazouz. Nur deswegen gehe sie in die Öffentlichkeit: «Ich wünsche mir , dass sich für die Bewohner dadurch etwas ändert, auch wenn ich selber nicht mehr dort arbeite. Denn der jetzige Zustand ist für die Bewohner unzumutbar.»

Myriam Maazouz war bis Anfang Jahr Lehrtochter im Behindertenheim Werkstube in Aesch. Sie ist mit ihrer Kritik nicht alleine. Die Kritik wird geteilt von Saskia Halili, Maja Grauwiler und Thomas Räuftlin. Alle haben bis vor wenigen Wochen in der Werkstube gearbeitet und alle erheben gegenüber ihrem ehemaligen Arbeitgeber schwere Vorwürfe - und stehen mit ihren Namen zu ihrer Kritik.

Hohe Personalfluktuation

Der schwerwiegendste Vorwurf betrifft eine aussergewöhnlich hohe Personalfluktuation. In drei Jahren seien in der Werkstube ungefähr 45 Personen ausgetauscht worden, sagt Halili - mehr als eine pro Monat. Die vielen Wechsel seien für die behinderten Heimbewohner schwer zu ertragen. «Wir kommen diesen Menschen sehr nahe, teilweise auch körperlich, weil sie fast nichts mehr alleine erledigen können», sagt Halili. Wenn diese Arbeiten ständig von jemand anderem ausgeführt würden, könnten die Bewohner kein Vertrauensverhältnis zu ihren Betreuern aufbauen: «Es ist jedes Mal so, als würde man einem Kind die Mutter entreissen.»

Die Schuld für die vielen Wechsel sehen die Mitarbeitenden bei der Heimleitung. Diese führe das Team «diktatorisch» und spiele die Angestellten gegeneinander aus. Auch fachlich laufe einiges falsch, sagt der ehemalige Mitarbeiter Thomas Räuftlin. Als zum Beispiel letztes Jahr ein renitenter Bewohner auf Betreuer und andere Bewohner losgegangen sei, habe die Heimleitung die Angestellten im Stich gelassen.

Überforderung

Maazouz hat in der Werkstube ihre Lehre begonnen. Gut betreut hat sie sich dort aber nie gefühlt: «Die Aufgaben, die wir als Lernende stemmen mussten, waren unzumutbar. Eine andere Lernende und ich waren teilweise alleine und hatten manchmal die Tagesverantwortung für die Gruppe oder die Verantwortung für die Medikamente.» Diese Überforderung habe sie gegenüber der Heimleitung deutlich gemacht. Das habe nichts gebracht, jedoch wurde im Januar wurde ihr Lehrvertrag aufgelöst. «Genau deshalb ändert sich in der Werkstube nichts», sagt Halili: «Wer sich gewehrt hat, wurde ausgetauscht.»

Mit ihrer Kritik gingen die Mitarbeitenden auch auf den Stiftungsrat der Stiftung Adulta zu, welche die Werkstube betreibt und beaufsichtigt. In einer Email schilderten sie ihre Vorwürfe und baten Präsidentin Maja Greuter um ein Gespräch. «Leider hat die Stiftungspräsidentin unseren Anliegen kein Gehör geschenkt und sie umgehend an die Heimleitung weitergeleitet», sagt Maya Grauwiler.

Stiftung leitet Untersuchung ein

Das «Regionaljournal Basel» hat Stiftungspräsidentin Greuter mit diesen Vorwürfen konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten. Greuter bestätigt die hohe Personalfluktuation. Willkürliche Abmahnungen und Entlassungen habe es indes keine gegeben, die Gründe seien jeweils dokumentiert. Auch habe sie von Angehörigen und Beiständen der Bewohner noch nie Klagen gehört. Gleichwohl hat Greuter nun eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben, welche die Vorgänge in der Werkstube beleuchten soll. Bevor sie sich weiter dazu äussere, wolle sie jedoch den Bericht dieser Untersuchung abwarten.

Die Stiftung Adulta betreibt im Kanton Baselland vier soziale Einrichtungen. Sie erhält vom Kanton jährliche Beiträge in der Höhe von 9,3 Millionen Franken, hinzu kommen Kostenbeteiligungen von 7,4 Millionen Franken.

(Regionaljournal Basel, 17:30)