25 Jahre Tempo 30 in der Stadt Bern

Mit 50 Stundenkilometern durch ein Wohnquartier fahren, das ist in der Stadt Bern kaum mehr denkbar. Auf den meisten Quartierstrassen gilt heute Tempo 30. Die Tempo-30-Zonen hat der Gemeinderat vor 25 Jahren lanciert - ein Novum, das für Diskussionen sorgte.

Quartierstrasse mit Beschilderung Tempo-30-Zone.

Bildlegende: Die Wohnquartiere in Bern sind heute fast flächendeckend Tempo-30-Zonen. SRF

«Mehr Sicherheit, weniger Lärm, bessere Luft», das waren die Ziele des Gemeinderates, als er die Tempo-30-Zonen im Juni 1989 vorstellte. Bern war damals die erste Stadt in der Schweiz, die Tempo 30 auf Quartierstrassen flächendeckend einführen wollte.

Ein Mann der ersten Stunde war Andreas Hoffmann, heute SP-Grossrat, damals Stadtrat. Eine Gruppe junger Leute habe massive Verkehrsberuhigungen gefordert. «Tempo 30 war die Antwort der Behörden, um Druck wegzunehmen», sagt Hoffmann heute.

Bald auch von Bürgerlichen akzeptiert

Trotzdem sei Tempo 30 in Quartieren dann bald bis ins bürgerliche Lager hinein akzeptiert gewesen. Ihm sei es vor allem um die Luftqualität gegangen, sagt der frühere FDP-Stadtrat Jost Koch. Auf einer Quartierstrasse sei es nicht möglich, konstant 50 Stundenkilometer zu fahren. «Man muss immer wieder bremsen und beschleunigen, das produziert mehr Abgase als eine konstante Geschwindigkeit.»

Der Kampf um Tempo 30 ging jedoch weiter. Bereits 1989 forderte das Grüne Bündnis mit einer städtischen Volksinitiative Tempo 30 flächendeckend in der Stadt, also auch auf Hauptstrassen. Das Anliegen wurde zwar mit 60 Prozent Nein-Stimmen klar verworfen, gärte aber in der Politik weiter.

Tempo 30 auch auf einzelnen Hauptstrassen

25 Jahre ist die Politik der Stadt der Haltung von Jost Koch gefolgt. Jetzt zeichnet sich aber ein Wandel ab. Auf sechs Strecken im Gebiet Bümpliz-Bethlehem und Mattenhof-Weissenbühl schlägt der Gemeinderat Tempo 30 auch auf Hauptstrassen vor. SP-Gemeinderätin Ursula Wyss möchte das allerdings nicht als Gesinnungswandel verstanden wissen. «Die Unterscheidung zwischen Quartier- und Hauptstrasse ist fliessend und für die Bevölkerung an manchen Orten gar nicht wahrnehmbar», sagt Wyss.

Die Kritik aus Gewerbekreisen kontert Wyss mit dem Hinweis, dass die Zeiteinbussen auf Strecken mit Tempo 30 minim seien. Es sei unter anderem die rot-grüne Verkehrspolitik gewesen, die in den letzten Jahrzehnten Wohnbevölkerung in die Städte geholt habe. «Das sind die Leute, die dem Gewerbe Arbeit geben», so Wyss. Und die Furcht, dass Tempo 30 flächendeckend auch auf Hauptstrassen eingeführt werden könnte, sei unbegründet. Es gebe in dieser Sache restriktive Vorschriften des Kantons.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)