30 Jahre Mokka: MC Anliker zwischen Ehre, Furcht und Rebellion

Vor dreissig Jahren, im Herbst 1986, wurde aus dem Jugendhaus an der Thuner Allmendstrasse die Café Bar Mokka. Seither ist das Laubsägelihaus ein weit herum bekanntes Konzertlokal, erschaffen und erkämpft von Master of Ceremony Pädu Anliker. Jetzt ehrt ihn die Stadt mit dem Thunpreis.

Er freut sich über gute Musik. Er hat sein Publikum irgendwie immer ziemlich im Griff und weiss, dass er in der Öffentlichkeit auffällt. Er ärgert sich hingebungsvoll über Nachbarn oder Behörden. Und dann schreibt er im Thuner Tagblatt zuweilen eine Kolumne, die sich meistens gewaschen hat – sackgrob, aber herzlich, zum stillen Vergnügen vieler Leserinnen und Leser.

«  Ja, ich werde überfallen und mit dem Tod bedroht. Aber das Mokka schafft so viel Gutes. Das zählt. »

Pädu Anliker
Master of Ceremony Mokka Thun

Er trauert auch nach Jahren um einen krassen Fall von Gewalt, den er in der Café Bar Mokka an der Thuner Allmendstrasse zu verkraften hatte. Pädu Anliker, inzwischen 59-jährig, ist seit 30 Jahren «Master of Ceremony» dieses Konzertlokals. Und nimmt es in Kauf, dass er mehrfach und immer wieder mit dem Tod bedroht wird. «Das sind dann jeweils die Momente», sinniert er. Und fährt fort: «Aber das Mokka schafft so viel Gutes. Das zählt.»

Ein eigenwilliger, manchmal dominanter Mann mit vielen Facetten und einer sehr klaren Sprache. Ein Thuner, der sich nicht einpacken lässt. Ein Thuner, der als Unikum gilt und es wohl auch ist, wenn damit das Original gemeint ist.

Diesen «Master of Ceremony» Anliker will die Stadt Thun ehren. Mit dem Thunpreis 2016. Pflegeleichter wird MC Anliker deswegen sicher nicht.

«  Im Altersheim gibt's Leute, die mit Rock'n Roll aufgewachsen sind. Aber wenn im Heim etwas gefeiert wird, kommt ein Hudigäägeler. Das ist die Leute verarscht. »

Pädu Anliker
Master of Ceremony Mokka Thun

Im Sonntagsgast-Gespräch im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» erzählt er von wilden 30 Jahren im Mokka, von Idealen von 1986, die inzwischen bedeutungslos geworden sind, von Werten, die er mit aller Konsequenz verteidigt. Von seiner Angst vor dem Alter und seinem unbedingten Bedürfnis, seine Privatsphäre erhalten zu wollen.

Und er erzählt von seinen Plänen. Jazz für Kinder, damit die lernen, was Musik ist. Rock'n Roll für Leute aus dem Altersheim – weil die damit gross und alt geworden sind. Und er erkennt, dass sein Publikum immer älter wird. «Die Jungen haben ja ein Handy. Da hat man alles, scheinbar», knurrt er. Und vertraut darauf, dass das Pendel auch wieder mal auf die andere Seite ausschlägt.