Berner Architekturikone Abbruchpläne im Tscharnergut

Die Genossenschaft Fambau will einen Wohnblock in der Hochhaussiedlung Tscharnergut im Westen von Bern abbrechen und neu bauen. Eine Sanierung lohne sich nicht. Fachleute und Denkmalschützer sehen das anders.

Hochhaus

Bildlegende: Das Tscharnergut ist im In- und Ausland unter Fachleuten bekannt. Thomas Pressmann/SRF

Eine Architekturikone

Das Tscharnergut im Westen der Stadt Bern wurde Ende der 1950er-Jahren gebaut. Schon kurz nach dem Bau galt die Siedlung als Vorzeigebeispiel des modernen Bauens.

Altes Foto der Siedlung, Hochhäuser im Baum

Bildlegende: Schon beim Bau war das Interesse an der Siedlung hoch. Keystone

Alt und sanierungsbedürftig

Doch die Wohnblocks sind alt und genügen heutigen Standards nicht mehr. Der Genossenschaft Fambau gehören sechs Häuser und damit knapp die Hälfte der Siedlung. Gemäss den Eigentümern entsprechen die Wohnblocks den aktuellen Behinderten-, Sicherheits- und Energiestandards nicht mehr.

Wohnblock

Bildlegende: Dieser Wohnblock soll weg. Thomas Pressmann/SRF

Leere Wohnungen

Die Eigentümer wollen nun den Wohnblock an der Fellerstrasse 30 abreissen und neu bauen. Drei Wohnungen stehen leer – unter anderem wegen eines Wasserschadens.

Alte Wohnung

Bildlegende: Nach einem Wasserschaden in der Küche steht diese Wohnung leer. Thomas Pressmann/SRF

Generelles Baugesuch

Der Hauptgrund für Abriss und Neubau: Die Wohnungen seien sehr klein. Aufgrund der Statik lassen sich die Zimmergrössen nicht verändern. Fambau hat zuerst ein generelles Baugesuch eingereicht mit dem Ziel, einen neuen Wohnblock mit neun statt acht Stockwerken zu bauen. Gemäss der kantonalen Behörden ist das nicht zulässig, weshalb die Genossenschaft diese Woche ein neues Gesuch mit nur acht Stockwerken einreicht.

Grafik

Bildlegende: Der neue Wohnblock soll praktisch gleich aussehen wie der alte. zvg/Fambau

Lebendiges Quartier

Die Genossenschaft Fambau befürchtet, dass sich die Wohnungen künftig nicht mehr an Familien vermieten lassen und das Quartier darunter leiden wird. Aus diesem Grund sei die Sanierung eines anderen Wohnblocks an der Waldmannstrasse 25 nur bedingt ein Erfolg gewesen.

Moderne Wohnung

Bildlegende: Eine sanierte Wohnung im Tscharnergut. ZVG/Fambau

Neues Familienbild

In den Augen des ehemaligen Geschäftsführers der Quartierkommission ist das Schwarzmalerei. «Die Wohnungen sind noch immer attraktiv», sagt Hans Stucki. «Das Familienbild muss neu gedacht werden», sagt er. Die Wohnungen liessen sich prima an Alleinerziehende, an Wohngruppen oder Singlehaushalte vermieten.

Porträt

Bildlegende: Hans Stucki sorgt sich nicht um die Zukunft des Quartiers. Thomas Pressmann/SRF

Architekt will weiter sanieren

Auch Architekt Rolf Mühlethaler möchte nicht, dass ein Wohnblock abgerissen wird. «Das Tscharnergut ist eine Ikone», meint er. «Das Quartier ist kein Relikt aus früheren Zeiten, sondern ein Zukunftsmodell.» Er ist für die Sanierung an der Waldmannstrasse mitverantwortlich. Seiner Meinung nach sind die sanierten Wohnungen attraktiv.

Porträt Rolf Mühlethaler vor einem Modell des Quartiers Tscharnergut.

Bildlegende: Architekt Rolf Mühlethaler spricht von einer «Architekturikone». Thomas Pressmann/SRF

Noch kein Entscheid

Nun müssen die Behörden über das generelle Baugesuch entscheiden. Die Diskussionen werden voraussichtlich mehrere Monate dauern.

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Wie weiter mit dem Tscharnergut?

0:33 min, vom 20.2.2017