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Abschied aus dem Regierungsrat Hans-Jürg Käser: «Ich konnte immer gut schlafen»

Bei einem Kaffee erzählt der scheidende Polizei- und Militärdirektor, wie er in schwierigen Momenten abschalten konnte.

Nach 12 Jahren im Amt gibt FDP-Regierungsrat Hans-Jürg Käser am Donnerstag, 31. Mai, den Schlüssel der Polizei- und Militärdirektion an Parteikollege Philippe Müller weiter und geht in Pension. Bei einem Kaffee vis-à-vis des Berner Rathauses erzählt der heute 68-Jährige von seiner Amtszeit.

Der erste Tag: Er sei an der Fraktionssitzung der FDP in Aarberg gewesen, sagt Hans-Jürg Käser, das wisse er noch gut. «Zum ersten Mal wurde ich von einem Chauffeur abgeholt. Man hatte mir gesagt, ich müsse dann hinten rechts einsteigen und das tat ich auch.» Aber er habe sich erst daran gewöhnen müssen, meint der abtretende Regierungsrat. Deshalb wisse er dann genau, wann er nicht mehr Regierungsrat sei: «Wenn ich hinten rechts einsteige und das Auto nicht losfährt.»

Die Krise im Asylwesen: 2014 kamen sehr viele Asylsuchende in die Schweiz und in den Kanton Bern. Als Präsident der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) arbeitete Hans-Jürg Käser mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga an einem Notfallkonzept und suchte im Kanton Bern nach Unterkünften für die Asylsuchenden. «Wir haben gute Lösungen gefunden, halt auch mit unkonventionellen Mitteln wie Armeezelten. Aber ich bin schon froh, dass die Zahl der Asylsuchenden wieder gesunken ist.» Als Mensch habe ihn dies nicht verändert, sagt Käser. «Nach wie vor bin ich der Meinung, dass man die humanitäre Tradition eines reichen Landes wie der Schweiz aufrechterhalten muss.»

Harte Entscheide: Die Polizei- und Militärdirektion sei wie ein Minenfeld, so Hans-Jürg Käser. «Die Kantonspolizei ist immer zu hart oder zu weich, zu langsam oder zu schnell. Im Justizvollzug wissen immer alle alles besser. Wenn ein Häftling entweicht, hat der Polizeidirektor die Schuld. » Er habe viele schwierige Entscheide treffen müssen, sagt Käser – zum Beispiel Beschwerdeentscheide von Asylsuchenden, die Käser negativ beantworten musste. «Ein Regierungsrat muss harte Entscheide fällen können, ohne dass er selber Schaden nimmt. Ich konnte immer gut schlafen, das ist einfach mein Naturell.»

Der Abschied: Er werde jetzt Privatier, meint Hans-Jürg Käser, mit Pensionskasse und AHV. « Einen Pensioniertenkurs habe ich nicht besucht, aber ich werde nicht in ein Loch fallen.» Er habe viele Interessen, zum Beispiel Modelleisenbahnen, seinen Garten oder reisen mit seiner Frau. Eine Piemontreise hat der abtretende Regierungsrat bereits gebucht. «Am meisten freue ich mich darauf, nicht immer um halb sechs Uhr morgens aufzustehen!»

(SRF 1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)