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Aktionäre ziehen die Notbremse Ausverkauf beim Berner Ferienverein – Hotels werden saudiarabisch

Die Generalversammlung stimmt dem Verkauf zu. Der saudische Industrielle Sami al-Angari soll übernehmen.

Firmentafel an einem Hauseingang
Legende: Der Hauptsitz des Ferienvereins und der Poscom Ferien Holding AG in Bern. Christian Strübin/SRF
  • Eine ausserordentliche Generalversammlung des Berner Ferienvereins, bzw. der Poscom Ferien Holding AG hat entschieden: Vier Hotels, zwei Ferienanlagen, ein Campingplatz und ein Reisebüro in der Schweiz, in Spanien und auf Sardinien werden verkauft.
  • Als Käufer steht der saudiarabische Industrielle Sami al-Angari bereit. Er bietet 58 Millionen Franken, will investieren und übernimmt das Personal.
  • Danach wird auch die Holding liquidiert. Der Hauptsitz in Bern wird zur Betriebsgesellschaft im Auftrag des Investors.
Hotel in Wengen
Legende: Das Hotel Victoria-Lauberhorn in Wengen. zvg Ferienverein

Die Botschaft des Verwaltungsrates an die ausserordentliche Generalversammlung vom 6. Februar in Bern war unmissverständlich: «Der Ferienverein ist nicht in der Lage, aus dem operativen Geschäft genügend Mittel für die Instandsetzung und Instandhaltung seiner Hotelliegenschaften zu erwirtschaften». So könne man den Hotelstandart «3-Sterne-Plus» nicht halten. Die Versammlung folgte dem Antrag, wenn auch murrend.

Hotel im Park in Crans-Montana.
Legende: Auch das Hotel Valaisia in Crans-Montana bekommt einen neuen Besitzer. zvg Ferienverein

Ein Verkauf des Hotels Victoria-Lauberhorn in Wengen und der Anlage in Spanien scheiterte zuvor. Zum Verkauf an den saudischen Investor gäbe es in nützlicher Frist keine Alternative, so der Verwaltungsrat.

Dazu hat der Ferienverein über 60 Millionen Franken Schulden. So könne es nicht weitergehen, warnte der Verwaltungsrat, sonst sei die Insolvenz nicht auszuschliessen. Immerhin hat die Zürcher Pensionskasse BVK auf dem Verhandlungsweg bereits auf 8,5 Millionen Franken Guthaben verzichtet - nicht zum ersten Mal.

Die zweite Sanierung innert 12 Jahren

Bereits in den Jahren 2006/2007 musste der Ferienverein massiv saniert werden. Damals wurden Guthaben und Darlehen in gut 23 Millionen Franken Aktienkapital umgewandelt und mit einem kräftigen Aufschlag (Agio) versehen. Es brachte dem Unternehmen etwa 90 Millionen Eigenkapital. Die Aktien sind auf etwa 9'000 Aktionäre verteilt.

Für Peter Gloor, stellvertretender Direktor der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit SGH ist der Kampf des Ferienvereins um seine Existenz «zumindest kein Einzelfall».

Der Ferienverein wurde 1963 von PTT-Angestellten gegründet. Den Pösteler-Familien wollte man so die Möglichkeit bieten, günstige Ferien machen zu können.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Jetzt werden Hotels gar an Saudiarabien verkauft. Der Bürgerstock gehört bereits Katar, das Chateau Gutsch den Russen, das Tschedi dem ÄgypterUnd nicht wenig stillen auch die Chinesen ihren Hunger nach Luxushotels. Wo sind die Schweizer Hotelkäufer? Wir müssen nicht mehr in diese Länder reisen, einfach ein Hotel China, ein Hotel Chedi, ein Hotel Russia buchen - und schon sind wir fernab der Heimat.
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    1. Antwort von W. Ineichen (win)
      Ich wäre nicht überrascht, wenn die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) nächstens an den Iran verscherbelt würde.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Nicht nur Gewinnsucht-, auch Monopolbetriebe werden zur maximalen finalen Bereicherung von Aktionaeren immer mehr (auch) nach Asien verscherbelt. Und zur besseren Verkeuflichkeit wird die Arbeitsgesetzgebung rasant vom Schutz des Arbeitnehmers zur in den Keuferlaendern ueblichen ruecksichtslosen Leibeigenschaft rund um die Uhr und den Kalender umgebastelt....
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