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Nachfolger von Tschäppät Alec von Graffenried ist Berns erster grüner Stadtpräsident

Der 54-Jährige von der Grünen Freien Liste holte im zweiten Wahlgang deutlich mehr Stimmen als seine Herausforderin Ursula Wyss von der SP.

Legende: Video Alec von Graffenried wird neuer Stapi abspielen. Laufzeit 1:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.01.2017.
  • Von Graffenried schaffte es mit 23'749 Stimmen auf 57,91 Prozent, Mitstreiterin Ursula Wyss mit 17'262 Stimmen auf 42,09 Prozent.
  • Zum ersten Mal wird damit ein Kandidat der Grünen in Bern Stadtpräsident.
  • Zum ersten Mal seit 1937 ist mit ihm ein Bernburger Stadtpräsident.
  • Von Graffenried tritt die Nachfolge von Alexander Tschäppät (SP) an.

Der neu gewählte Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried ist unmittelbar nach Bekanntgabe des Wahlresultats durch ein Gefühlsbad gegangen. Er sprach von Freude und Erleichterung, aber auch von der Verantwortung, die er jetzt spüre.

Ich bin seit über 50 Jahren in dieser Stadt und habe es noch mit niemandem verdorben.
Autor: Alec von GraffenriedNeuer Berner Stadtpräsident

Der grosse Zuspruch von Wählerinnen und Wählern sei eine Befriedigung, betonte von Graffenried. Das gute Abschneiden interpretierte von Graffenried so, dass er seit Jahrzehnten in dieser Stadt sei und die Wählenden wüssten, wofür er stehe, nämlich für Zuverlässigkeit und Loyalität.

Alec von Graffenried hat seine Konkurrentin in allen sechs Berner Zählkreisen geschlagen. Das zeigt ein Blick aufs Abstimmungsprotokoll der Stichwahl. Am deutlichsten war sein Vorsprung in Bümpliz-Bethlehem (Zählkreis 6) und im Kirchenfeld (Zählkreis 4).

Grosse Enttäuschung bei der SP

Mit Ernüchterung hat die SP der Stadt Bern auf den Ausgang der Stichwahl ums Stadtpräsidium reagiert. Bern habe die historische Chance verpasst, erstmals eine Stadtpräsidentin zu wählen, sagte Co-Parteipräsident Stefan Jordi.

Ursula Wyss im Rathaus
Legende: Ursula Wyss sieht auch das Positive an der Wahl. Keystone

Die gescheiterte Kandidatin Ursula Wyss zeigte sich als faire Verliererin. Sie wünschte dem neuen Stadtpräsidenten Alec von Graffenried alles Gute und betonte, sie freue sich auf die Zusammenarbeit im neuen Gemeinderat. Ihre Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün werde sie weiterhin mit grossem Engagement führen.

Die Niederlage sei für sie keine grosse Überraschung, sagte Ursula Wyss. «Alec von Graffenried startete aus der Pole Position.» Natürlich hätte sie gerne gewonnen, aber nun habe es halt nicht gereicht. Gefreut hat Wyss die hohe Beteiligung bei dieser Wahl.

Mit fast 50 Prozent Wahlbeteiligung haben wir so oder so gewonnen.
Autor: Ursula WyssGemeinderätin Stadt Bern

Schon im ersten Wahlgang konnte Von Graffenried mit 1500 Stimmen einen Vorsprung zu seiner Herausforderin verbuchen. Er punktete Ende November in allen politischen Lagern, also auch bei Mitte-Wählern und Bürgerlichen. Wyss brauchte damals zwei Tage Bedenkzeit, um sich aufzurappeln und nochmals anzutreten. Für den zweiten Wahlgang haben auch die bürgerlichen Parteien FDP, BDP und EVP von Graffenried zur Wahl empfohlen.

Das Wichtigste zu Alec von Graffenried

Der Rechtsanwalt wurde im November 2016 in die Stadtberner Regierung gewählt. Vorher arbeitete er beim Bauunternehmen Losinger Marazzi. Von 2007 bis 2015 war er im Nationalrat, von 2000 bis 2007 amtete er als Regierungsstatthalter im Amtsbezirk Bern. Er hat vier Kinder.

41 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich gratuliere Herr von Graffenried! Es ist Zeit, dass ein "Nicht-Linker" in diese Stadt kommt. Ich schätze die GFL als rechten Flügel der Grünen ein. Ihr Gegenpol ist die BDP, der linke Flügel der SVP. Es wird jetzt wohl etwas mehr Vernunft in die Stadt Bern zurückkehren. BDP und SVP wären nicht gut gewesen für diese wunderschöne Stadt, da es zu deren Schutz sehr viel Fingerspitzengefühl braucht. Die Rechte +SP hätten hier zu viel Möglichkeiten um des Geldes Willen alles zu verbetonieren.
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  • Kommentar von W Streuli (Wernu)
    Wer von"auswärts" die Ansicht vertritt,die Grünen vertreten eine ökologische Politik in der Stadt Bern,der irrt sich gewaltig!.Da werden scheibchenweise Schrebergärten aufgehoben für mehr Bauland zu regenerieren und direkt an der Aare wurde eine Grünfläche (ehem Besitz der EWB ) veräussert,um ebenfalls Siedlungen zu erstellen.Nun ja, ob das was mit "Grün" was zu tun hat,möge sich jeder selbst ein Urteil bilden.Ach ja, gewisse grüne Prominente in der Stadt Bern fahren sogar Offroader,kopfschüttel
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  • Kommentar von Michel Koller (Mica)
    Die Stadt Bern besteht aus weit mehr als nur der Reithalle und diese hat ebenfalls ihre Berechtigung in einer Gesellschaft. Die Stadtberner müssen selbst entscheiden, wie sie damit umgehen wollen aber er sollte Allen klar sein, dass bei einer Schließung die Menschen nicht einfach verschwinden und brave Büenzlis werden.
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    1. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Koller: Ist mir klar, dass die Leute aus der Reithalle sich über die ganze Stadt Bern ergiessen werden. Auch in Thun ist es so, wenn es gewisse "Häuser" und das Fussballstadion nicht gäbe. Da muss man halt mit etwas schärferen Massnahmen gegensteuern. Unsere Gesellschaft erträgt so oder so nicht noch mehr "Kuscheljustiz".
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