Andreas Messerli: Der Wanderer zwischen zwei öV-Welten

Andreas Messerli arbeitete jahrelang bei Bernmobil, er gilt unter anderem als Erfinder des Moonliners. Aber seit einigen Jahren gilt beinahe die ganze Tatkraft des 44-jährigen Berners der Strassenbahn in der ostdeutschen Kleinstadt Naumburg. Eine Geschichte um grossen Einsatz für ein kleines Tram.

In diesen Tagen feiert Bernmobil 125 Jahre Berner Tram. Vom wunderlichen Drucklufttram der Gründerzeit bis zum modernen Tramzug fährt an zwei Wochenenden die ganze öV-Geschichte der Bundesstadt als Corso auf dem Netz, zur Freude des Publikums.

Zur Freude auch von Andreas Messerli. Der 44-jährige Berner hat als Erfinder der Nachtschwärmer-Linie «Moonliner» einen Teil an dieser Berner Geschichte. Aber seit einigen Jahren ist der Sohn eines Schwarzenburger Tierarztes nur noch mit einem kleinen Arbeitspensum beim Berner Verkehrsunternehmen dabei.

Denn er hat sein Herz an die winzige Strassenbahn der deutschen Kleinstadt Naumburg verloren.

Heute ist er zu 80 Prozent Co-Geschäftsleiter der Naumburger Strassenbahn GmbH und betreibt den kleinsten und wohl einzigartigen ÖV-Betrieb Deutschlands im Bundesland Sachsen-Anhalt in der ehemaligen DDR.

Die Wiederauferstehung einer winzigen Tramlinie

Eigentlich hätte dem klapperigen Tram mit seiner zwar einmaligen, aber nur rund 5 Kilometer langen Rundstrecke nach dem Mauerfall und der Wende in Deutschland das letzte Stündlein schlagen sollen. Eine Bürgerinitiative und ein Verein wehrte sich allerdings für das Tram mit dem Übernamen «Wilde Zicke».

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Jubiläum auf Tramgleisen

2:02 min, aus Tagesschau vom 11.10.2015

Das wiederum faszinierte Andreas Messerli dermassen, dass er sich mit all seinem Wissen ins Zeug legte und seinen Teil beitrug, dass das Naumburger Tram heute wieder jeden Tag fährt und sogar um ein Stück Strecke ausgebaut wird. Die Stadt Naumburg und das Bundesland Sachsen-Anhalt haben sich offensichtlich überzeugen lassen und finanzieren das Abenteuer.

Eine wunderbare Geschichte mit Happy End. Andreas Messerli hat nicht nur «sein» Tram gefunden. Sondern auch noch eine Naumburgerin, mit der er inzwischen verheiratet ist und die ihm Zwillinge geschenkt hat.