Anschlag auf Reitschule beschäftigt Bundesstrafgericht

Rund acht Jahre nach dem gescheiterten Brandanschlag auf die Berner Reitschule hat vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona der Prozess gegen einen mutmasslichen Täter begonnen. Auf viele Fragen der Richter gab der Angeklagte keine Antwort.

Die Reithalle in Bern.

Bildlegende: Nur mit Glück konnte in der Reithalle 2007 eine Katastrophe verhindert werden – der Rucksack entzündete sich im Freien. Keystone

Der Angeklagte gab vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona zu, dass er mehrere Vorstrafen wegen Rassendiskriminierung, Angriffe, Waffen und Betäubungsmitteldelikten erhalten habe. Und er zeigte sich reuig: ihm werde schlecht, wenn er über das nachdenke, was er damals getan habe. Der Mann gehörte damals der rechtsextremen Szene an.

Im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf die Reitschule stellten die Richter dem Angeklagten verschiedene Fragen. Meist gab der Mann keine Antwort – zum Beispiel auf die Frage, was er zur Anklage sage. Und wo er in der Tatnacht 2007 gewesen sei, wisse er nicht mehr.

Verhinderung einer Katastrophe durch Zufall

Der Fall geht auf das «Antifa-Festival» vom August 2007 zurück. Ein Konzertbesucher wurde auf einen verdächtigen Rucksack aufmerksam, der vor dem Mischpult abgestellt war. Nachdem ein Security-Mitarbeiter den Rucksack im Freien deponierte, entzündete sich der Rucksack mit einer Stichflamme. Bei dem Konzert waren laut Angaben der Veranstalter bis zu 1500 Personen im Saal anwesend.

Dem mutmasslichen Sprengsatz-Bastler kam die Polizei ein Jahr später in einem anderen Zusammenhang auf die Spur. Der Mann stellte nämlich ein Gesuch für einen Waffenerwerbsschein, was die Polizei zu einer Hausdurchsuchung veranlasste. Nachforschungen hatten ergeben, dass der Mann in rechtsextremen und gewalttätigen Kreisen verkehrte. Dabei ergab der Abgleich seines DNA-Profils eine Übereinstimmung mit den Spuren am Sprengsatz der Reitschule.

Verfahren eingestellt

Die Bundesanwaltschaft hatte das Verfahren zum Sprengstoffdelikt 2013 eingestellt. Dagegen wehrte sich der Verein Musik und Kultur, welcher das «Antifa-Festival» im August 2007 organisiert hatte, als Privatkläger mit einer Beschwerde beim Bundesstrafgericht. Dieses gab dem Verein im August 2014 recht, worauf das Verfahren weitergeführt wurde.