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Aufruhr hinter Gittern Thorberg-Mitarbeiter klagen über Sicherheitsmängel

Legende: Video Aufruhr auf dem Thorberg abspielen. Laufzeit 5:23 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 18.05.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Thorberg-Mitarbeiter üben Kritik am eigenen Sicherheitsdienst. Wegen Arbeitsbelastung, Ausfällen und mangelnder Ausbildung sei die Sicherheit auf dem Thorberg nicht immer gewährleistet gewesen.
  • Der Direktor widerspricht: Die Sicherheit sei nie in Gefahr gewesen. Die Geschäftsführung nehme auch kein schlechtes Klima wahr.
  • Die vielen Abgänge auf dem Thorberg rufen die Politik auf den Plan. Die Finanzkommission des Grossen Rats prüft eine Untersuchung.

Auf dem Thorberg brodelt es – schon wieder. «Die Leute kommen übermüdet zur Arbeit, sind unzufrieden, bekommen keine Wertschätzung von oben. Es herrscht ein Klima der Angst. So passieren Fehler – eine solche Stimmung in einem Gefängnis ist sehr gefährlich», sagt ein Mitarbeiter.

Thorberg – seit Jahren in den Schlagzeilen

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Der Thorberg kommt seit Jahren nicht zur Ruhe. Am Anfang stand die Affäre um den ehemaligen Direktor Georges Caccivio. Dieser verkehrte auf dem Bieler Strassenstrich, 2014 musste er zurücktreten.

Sein Nachfolger Thomas Egger begann eine umfassende Reorganisation – nicht ohne Nebengeräusche. Ehemalige Mitarbeiter beklagten sich öffentlich über den Umgangston des Direktors. Zudem gab es letztes Jahr einen längeren Gefangenen-Streik. Die Insassen forderten unter anderem bessere medizinische Versorgung und ein Sex-Zimmer.

«Schweiz aktuell» konnte mit mehreren aktuellen und ehemaligen Thorberg-Mitarbeitern reden. «Jeder, der kann, geht weg vom Thorberg. Es ist frustrierend zu sehen, was alles falsch läuft.»

Schichtmodell in der Kritik

Für Kritik sorgt insbesondere die Reorganisation und der Wechsel im Sicherheitsdienst – von einem Zwei-Schichtenmodell mit einer fixen Tages- und Nachtschicht zu einem Drei-Schichten-Modell.

Das hat mit Sicherheit nichts mehr zu tun.
Autor: Mitarbeiter Thorberg

Die Umstrukturierung habe Personalabgänge provoziert, Ersatz habe es nicht gegeben. «Wenn Not am Mann war, mussten Arbeitsmeister oder Betreuer in den Sicherheitsdienst. Diese haben nicht die gleiche Ausbildung wie wir. Das hat mit Sicherheit nichts mehr zu tun», sagt ein Mitarbeiter.

Direktor Thomas Egger widerspricht: «Ich kann ihnen sagen, dass es zu keinem Moment gefährlich war für die Sicherheit auf dem Thorberg.» Das Modell sei mittlerweile angepasst. Allerdings: Die Mitarbeiter sagen, es gebe immer noch keinen vernünftigen Dienstplan.

Hohe Mitarbeiter-Fluktuation wird zum politischen Thema

Laut Mitarbeitern sind in den letzten zwei Jahren wegen des Arbeitsklimas rund 25 Prozent der Mitarbeiter weg vom Thorberg – freiwillig oder unfreiwillig. Direktor Thomas Egger widerspricht wieder: «Es gibt erhöhte Fluktuationen, aber diese ist durch die Reorganisation zu begründen.»

Nun interessiert sich die Finanzkommission des Grossen Rats für die Personalabgänge auf dem Thorberg. Dabei geht es vor allem um kostenintensive Abgangsentschädigungen oder Freistellungen. Noch diesen Monat soll entschieden werden, ob offiziell eine Untersuchung gestartet wird.

Die Mitarbeiter sagen, das Vertrauen in die Thorberg-Leitung sei weg, die ganze Spitze müsse ausgewechselt werden. Direktor Thomas Egger sagt dazu: «Ich nehme das zur Kenntnis, ich habe eine andere Wahrnehmung.»

Legende: Video Direktor Egger zur Sicherheit im Thorberg abspielen. Laufzeit 0:20 Minuten.
Vom 18.05.2018.

Kanton sieht kein Problem

Das Amt für Justizvollzug will «die Thematik» nicht kommentieren. Bei der zuständigen Direktion von Regierungsrat Hans-Jürg Käser heisst es unter anderem: «Die Führung der JVA Thorberg bewegt sich in geordneten Bahnen und die Sicherheitslage in der JVA Thorberg gab in den letzten Monaten zu keinen Bedenken Anlass.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Logisch dass die Herren Verantwortlichen alles abstreiten und mit anderen Augen sehen, sie sitzen ja in ihren Büros und plaudern per Tel. Schickt die Herren an die Front mit gleichen Bedingungen wie es die Angestellten haben. Mal schauen wie lange sie es aushalten.
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  • Kommentar von Hans König (Hans König)
    Verantwortlicher Regierungsrat Hans-Jürg Käser. Der Thorberg ist nicht die einzige Baustelle dieser Direktion!
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  • Kommentar von Beatrice Mayer (signorinetta)
    Die Leitung hat "eine andere Wahrnehmung", das scheint ein verbreitetes Problem zu sein. Die Leute an der Front bilden sich das nur ein, diejenigen in den oberen Etagen dementieren jegliche Probleme. Man sehe sich mal in der Krankenpflege um.
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    1. Antwort von Eva Waser (Cat)
      Die Floskel“hat eine andere Wahrnehmung“ soll wohl elegant wirken und die Basis mit kurzem Nebensatz vom Platz weisen. Tut sie aber nicht: es verschärft nur die Wut und die Resignation bei den Angestellten. So gehen sowohl im Thorberg wie auch in der Pflege wertvolle Ressourcen verloren (was wir spätestens in einigen Jahren entsetzt feststellen werden). Die Kaderleute kümmern sich m. E. oft zu stark um ihr EGO statt zuzuhören und ihren Ausbildungen entspr. Massnahmen zur Abhilfe zu ergreifen!
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