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Bern Freiburg Wallis Aufstand im Feriendorf

Leerstehende Ferienwohnungen sind für Touristenorte ein Ärgernis. Ein paar Gemeinden im Oberwallis haben deshalb ein Reglement geschaffen, um Besitzer von ungenutzten Häuschen zur Kasse zu bitten. Das kommt bei denen gar nicht gut an.

Legende: Video Protest gegen Steuer abspielen. Laufzeit 4:16 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 07.08.2013.
Blick auf Bellwald im Oberwallis
Legende: Blick auf Bellwald im Oberwallis: Der Protest der Ferienwohnungsbesitzer hat sich ausgezahlt – vorerst zumindest. Keystone

Beim Gemeindepräsidenten Martin Bittel stapeln sich die ausgedruckten Protestmails. Fast 400 Zweitwohnungsbesitzer wehren sich gegen das neue Reglement. Das sieht vor, dass, wer seine Wohnung im Jahr weniger als 91 Tage vermietet, eine Ersatzabgabe zahlen muss. Für ein durchschnittliches Chalet wären das etwa 500 Franken.

Bittel staunt über die zum Teil heftigen Reaktionen: «Ich bin auf offener Strasse fast attackiert worden, Mails wurden geschrieben, ich habe Anrufe erhalten. Die Reaktionen von Seiten der Zweitwohnungsbesitzer waren enorm», sagt er in «Schweiz aktuell». Ein neues Reglement sei aber für die Gemeinde Bellwald zwingend. 438 Einwohnerinnen und Einwohner müssten heute für die Infrastruktur von 1100 Ferienwohnungen aufkommen. Das sei für die Steuerzahler nicht tragbar.

„Die Ferienwohnung vermieten? – Niemals!“

Arnold Ramel versteht, dass die Gemeinde Geld für die Infrastruktur braucht. Der Ferienhausbesitzer müsste nach dem neuen Reglement 3000 bis 4000 Franken im Jahr zahlen. Das sei zu viel. 1000 Franken pro Zweitwohnungsbesitzer fände er angemessen.

Ferienwohnungsbesitzerin Elisabeth Oehen sagt, sie müsste sparen, wenn das neue Reglement in Kraft tritt. «Wir könnten hier zum Beispiel nicht mehr im Restaurant essen gehen und die Seilbahnen nicht mehr so oft benutzen.» Die Wohnung zu vermieten käme für sie aber nicht in Frage, das sei zu aufwändig.

Die Proteste der Zweitwohnungsbesitzer zahlen sich nun aus. Der Bellwalder Gemeinderat hat jetzt einstimmig beschlossen, die Übung vorerst zu stoppen und noch einmal über die Bücher zu gehen.

Zweitwohnungsbesitzer dürfen mitreden

Die Gemeinde habe viele gute Vorschläge erhalten, die wolle sie nun ins neue Reglement einfliessen lassen und danach mit den Zweitwohnungsbesitzern zusammen sitzen. Diese können also die letzten Ferientage doch noch in Ruhe geniessen.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    In Leukerbad ist es noch krasser. Da werden in die 2-Wohnungen bei Abwesenheit der Besitzer ganz einfach irgendwelche, wahrscheinlich illegale Bauarbeiter oder Flüchtlinge einquartiert, ohne dass die Besitzer davon wissen. WerGeld einkassiert weiss ich nicht. Ich musste nun bei meiner 2-Wohnung das Schloss wechseln, und gebe keinem, weder dem Hauswart noch der Verwaltung einen Schlüssel ab. Anzeige habe ich auch erstattet, doch die Polizei scheint leider nicht sehr interessiert zu sein.
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  • Kommentar von Wim Havermans, Boxtel, Nederland
    Aus vielen Dokumenten geht hervor, dass das Problem bereits vor ungefähr 40 Jahren durch unkontrollierte Baumassnahmen verursacht wurde und der Gemeindevorstand der Gemeinde Bellwald dieses nicht rechtzeitig erkannt hat. Das Ergebnis ist ein aus allen Nähten platzendes „Bauerndorf“ mit einer vollkommen aus den Fugen geratenen demographischen Struktur.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      W.Havermans,auch andere Berggemeinden+Kantone haben jzlang wider Vorschriften unmässig gebaut+eingezont,sogar aufs nackte Bauland Hypos aufgenommen+an den Steuern abgezogen!Das macht man nicht!Man muss sich nichtmal mit den Gesetzen der BV abmühen,lese einfach nur die Präambel und erkenne,dass die Berglereinstellung so falsch war+ist wie die der Mittelländer.Schade nur,dass es keinem rechtzeitig einfiel,für uns Unterländer auch eine Initiative "gegen Zupflasterung des Mittellandes" zu lancieren.
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  • Kommentar von Joséphine Havermans-van Nus, Bellwald, chalet 220
    In der Präambel ist ebenfalls angegeben, dass ausschliesslich die Einheimischen die Kosten für die Instandhaltung der „Erschliessungsanlagen“ und Investitionen in die Fremdenverkehrsinfrastruktur tragen. Das ist Unsinn angesichts der kommunalen Steuerveranlagungen auf Vermögen und Einkommen sowie auf die Infrastruktur, die Eigentümer von Zweitwohnungen seit Menschengedenken entrichten müssen.
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