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Bern Freiburg Wallis Bauernhof statt Einsamkeit

Ob psychisch Kranke oder ältere Menschen: Verschiedene Bauernfamilien im Kanton Bern nehmen Pflegebedürftige bei sich auf. Die Wissenschaft spricht von einem «riesigen Potential».

Die Familie im Stall.
Legende: Niklaus Rothenbühler mit seiner Frau Gabriela und Philipp Keller (von links). Dazwischen Familienhund Kira. SRF

Ein Bauernhof ob Lützelflüh: Hier lebt die Familie Rothenbühler. Philipp Keller ist zu Gast. Schon länger leidet der 30jährige an schweren Depressionen. Vor 11 Jahren hatte sich seine Schwester an ihrem Geburtstag umgebracht. Nach einem Klinikaufenthalt kam er vor eineinhalb Jahren zur Familie Rothenbühler. «Hier finde ich den Tritt zurück ins Leben», sagt er.

Philipp Keller lebt die ganze Woche bei der Familie. Nur am Wochenende geht er manchmal nach Hause. Die Familie Rothenbühler betreut seit einigen Jahren immer wieder psychisch Erkrankte. Sie erhalten dafür eine Entschädigung.

Rund 80 Personen auf Berner Bauernhöfen untergebracht

Je nach Betreuungsaufwand erhalten Bauernfamilien zwischen 90 bis 130 Franken pro Tag. «Wegen des Geldes machen wir es aber nicht», sagt Gabriela Rothenbühler. «Anderen etwas Gutes tun gibt uns Befriedigung.» Die Ökonomische Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern vermittelt psychisch Erkrankte, aber auch Behinderte und ältere Personen, an Bauernfamilien. Rund 80 Menschen sind zurzeit im Kanton Bern untergebracht. Viele bleiben für ein paar Monate, andere bis ans Ende ihres Lebens.

Grosses Potential

Der Soziologe Hans Wydler hat mit 550 Bauernfamilien in der ganzen Schweiz Gespräche geführt. «Das Potential des betreuten Wohnens ist riesig», sagt der Dozent der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Die Zahl Pflegebedürftiger nehme immer mehr zu. Und: «Für Bauernfamilien auf dem Land kann es eine wichtige Einnahmequelle sein.»

2 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Frei, Buriram
    Die Betreuung Pflegebedürftiger in spezialisierten Institutionen hält die Betroffenen im System zurück und verhindert meist eine zumindest teilweise Rückkehr in die offene Gesellschaft. Andererseits kostet sie i.d.R. mehr als das Doppelte der 100.-- bis 200.-- Franken, die eine Bauernfamilie erhält. Ich halte das für angemessen, da keine Spezialausbildung verlangt wird. Hingegen sollen der Bauer oder die Bäuerin solche Qualifikationen erwerben und mit anderem Einsatz mehr verdienen könne...
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  • Kommentar von Fritz Frei, Buriram
    Keine Patentlösung, aber gut fundiert. Fundiert von Fundus oder Boden, Grundlage. Die Grundlage ist in diesem Fall die Tatsache, dass Bauern noch bis vor nicht allzu langer Zeit Knechte und Mägde aufnahmen, die in der übrigen Wirtschaft keine Funktion fanden. Und diese Menschen hatten dann in der Bauernfamilie einen Platz auf Lebzeiten. Natürlich gab es auch hier böse Abweichungen. Aber wieso sollen unter den Beherbergern nicht auch gelegentlich unerkannte Geisteskranke auftauchen?
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