Beim ersten Schnitt in den toten Körper zittert die Hand

Die Anatomie ist seit Jahrhunderten eine der Grundlagen der ärztlichen Ausbildung. Nur an der Leiche lässt sich der menschliche Körper in seiner Vielfalt und Komplexität erfassen. Medizinstudenten der Universität Bern erfahren Eindrückliches an ihrem ersten Tag im Anatomiekurs.

Studierende in weissen Kitteln.

Bildlegende: Klassenfoto: Die Hälfte der Medizinstudenten am Institut für Anatomie, welche diesen Kurs belegen. zvg

«Es war zäher als erwartet», der erste Schnitt mit dem Skalpell in eine Leiche. Schnitt für Schnitt arbeiten sich die Studentinnen und Studenten im Saal des Anatomischen Instituts der Universität Bern durch die Körper vor ihnen auf den Chromstahltischen.

«Man fragt sich schon, wer wohl diese Person gewesen sei», sagt ein Student dem «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. Das Menschliche dürfe man aber nicht zu nahe an sich heran lassen. Die Körper seien «Material», mit dem es zu arbeiten gelte.

Surreale Welt

Der Geruch im Anatomiesaal ist fremd, süss und gleichzeitig sauer. Die Bilder sind gewöhnungsbedürftig. Ganze Leichen oder Leichenteile liegen auf den Arbeitstischen. Die Stimmung ist ernst, respektvoll und durchdrungen vom Kauderwelsch medizinischer Fachbegriffe. «Wir haben Venen und Nerven des Beines freigelegt», sagt ein Student. Und beugt sich eifrig wieder über das tote Bein, welches er vor sich liegen hat.

Teil 1 der Anatomie-Serie: