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Bern Freiburg Wallis Beliebt aber teuer: Das Dilemma der Geburtsabteilung Riggisberg

Die Schliessung der Geburtsabteilung sei der Anfang vom Ende, sagen Hebammen. Für die Leitung der Spital Netz Bern AG ist es die Chance für eine neue Zukunft: In Riggisberg soll die ambulante Medizin ausgebaut werden. Dass Geburtshilfe auch rentieren kann, zeigt das private Dalerspital in Freiburg.

Die leitende Hebamme Verena Piguet neben einem Transparent
Legende: Die Hebamme Verena Piguet will gegen die Schliessung der Geburtenabteilung kämpfen. SRF

Ende März hat die Leitung der Spital Netz Bern AG die Schliessung der Geburtsabteilung im Spital Riggisberg auf Ende Juli angekündigt.

Nur so könne man die medizinische Grundversorgung in der Region Gantrisch sicherstellen und das Spital selber retten.

 Mit gut 300 Geburten pro Jahr erreiche die Geburtsabteilung die kritische Grösse nicht und schreibe deshalb rote Zahlen, sagt der Spitalnetz-CEO Reto Flück. Nur 17 Kilometer entfernt betreibt das gleiche Spitalnetz die Geburtsabteilung in Münsingen, die rund 500 Geburten pro Jahr zählt.

«Wir haben hier unser Herz verloren»

Die Schliessungspläne stossen bei den Hebammen und Ärzten auf Unverständnis. Es gehe eine beliebte Geburtsstation zu, sagt die leitende Hebamme Verena Piguet. Sie könne jetzt nicht einfach die Stelle wechseln. «Wir haben hier unser Herz verloren.» Kampflos wollen das Personal und die gesamte Region Gantrisch die Schliessung nicht hinnehmen. Derzeit werden Aktionen auf verschiedenen Ebenen geplant, auch politisch will die Geburtsabteilung Druck machen.

Schwerpunkt ambulante Medizin

Unterschiedlich werden die Folgen einer Schliessung eingestuft. Für die Hebamme Verena Piguet ist es der Anfang vom Ende des ganzen Spitals. Die Geburtsabteilung sei das eigentliche Zugpferd des Spitals. Die Spital Netz Bern AG plant aber auch in Zukunft mit dem Spital Riggisberg. Sie möchte dort die ambulante Medizin ausbauen. Eingriffe, für die man bisher in ein Zentrumsspital gehen musste, sollen neu auch auf dem Land angeboten werden.

Erfolgreiches Dalerspital

Dass Geburten nicht per se ein Verlustgeschäft sind, zeigt das Freiburger Privatspital Daler.

David Queloz vor dem Dalerspital in Freiburg
Legende: David Queloz, Direktor des Dalerspitals in Freiburg SRF

Mit gut 1100 Geburten pro Jahr schreibt die grösste Geburtsklinik des Kantons Freiburg schwarze Zahlen. Noch vor sieben Jahren kamen halb so viele Kinder zur Welt. Der Preis für diesen Erfolg bezahlten die Orthopädie und die Hals-, Nasen- und Ohrenmedizin.

Mit über 1000 Geburten habe man die kritische Grösse erreicht, sagt David Queloz, der Direktor des Dalerspitals. Als Stiftung fliesse zudem der gesamte Gewinn wieder ins Spital.

Fast jedes dritte Kind kommt im Dalerspital per Kaiserschnitt zur Welt. Dies entspricht etwa dem schweizerischen Durchschnitt.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von S. Clauss, Biel
    Wer eine Privatklinik wie das Dalerspital als ökonomisches Vorzeigemodell präsentiert hat nichts begriffen von Geburtshilfe. Bei der Geburtshilfe gilt: Je kleiner desto individueller und persönlicher, desto komplikationsloser, gesünder und unversehrter. Das war doch das Ziel oder habe ich da etwas falsch verstanden? Häuser mit 1000 Geburten und mit 30% und mehr Kaiserschnitte zeigen, dass das Ziel heute eher "Hauptsache es rentiert, egal wie" ist. Danke, neue Spitalfinanzierung mit SwissDRG...
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  • Kommentar von Richard Valli, Rieux-Volvestre, France
    Mag sein, dass die Anz. der Geburten nicht rentabel ist. Doch in diesem Fall geht es nicht um nur um die Anz., sondern um die längst geplante Schiessung der Protalspitäler der SNB. Logische Schlussfolgerung, allmähliches auflösen der SNB, koste was es wolle, zu Gunsten eines Grössenwahnsinnigen Inselprojektes. Wie immer, Menschen sind davon nicht betroffen! Oder doch?
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  • Kommentar von Sandra Zeller, Pohlern
    Machen Sie doch alles zu auf dem Land! In Riggisberg wäre ich in Naher Zukunft auch gerne Gast gewesen. Ich wünsche den direkt Betroffenen alles Gute.
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