Beratungs- und Präventionsstellen gegen Burnout boomen

Die Beratungsstelle der Pädagogischen Hochschule Bern ist gefragt: Im Schuljahr 2012/13 suchten dort 880 Personen Hilfe. Auch das Präventionsangebot der Unfallversicherung Suva wird rege genutzt.

Eine Computertastatur mit einer roten Taste, auf der Burnout steht.

Bildlegende: Die Beratungs- und Präventionsangebote zum Thema Stress am Arbeitsplatz sind gefragt. Colourbox

Eine Zürcher Studie zeigt es: Jede zehnte Lehrperson fühlt sich ausgelaugt, ist Burnout-gefährdet. Auch die Lehrerinnen und Lehrer im Kanton Bern fühlen sich häufig überfodert. Immer mehr Lehrpersonen besuchen die Beratung der Pädagogischen Hochschule Bern.

Die Hauptgründe sind die Zusammenarbeit im Team, persönliche Probleme und die Klassenführung. Urs Gfeller, Leiter des Bereichs Beratung und Unterstützung: «Früher war eine Lehrperson für eine Klasse zuständig, heute führen manchmal zwei Personen eine Klasse. Diese Zusammenarbeit muss gelernt werden.» Zwei Personen deshalb, weil häufig eine IF-Lehrperson anwesend ist - eine Lehrperson die Schülern mit Lern-, Entwicklungs- oder Verhaltensschwierigkeiten hilft, sich in der Klasse zu integrieren.

Anforderungen haben zugenommen

Die Anforderungen an Lehrpersonen sind laut Gfeller hoch. Sei es von Seite der Eltern oder von Seite der Schule. «Die Eltern sind Fachpersonen, sie wissen genau was ihr Kind braucht, um in der globalisierten Welt zu bestehen.» Auch sei der administrative Aufwand viel grösser geworden. Viele Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich deshalb überfordert.

Allerdings zeigen die Daten der Pädagogischen Hochschule, dass die Zahl der krankgeschriebenen Lehrpersonen aus psychischen Gründen stabil ist. Im letzten halben Jahr ging die Zahl sogar leicht zurück. Gfeller führt dies auch darauf zurück, dass die Schulen, die Pädagogische Hochschule und die Erziehungsdirektion des Kantons Bern das Problem erkannt haben und entsprechende Angebote bereitstellen.

In allen Berufsgruppen ist die Arbeit dichter geworden

Arbeitnehmende müssen mehr Informationen in kürzerer Zeit verarbeiten, leisten oft intensive Kundenbetreuung, müssen Projekte in kürzerer Zeit abschliessen. Der Arbeitgeber verlangt auch immer mehr Leistung während der ganzen Arbeitszeit. Dies stellt Urs Näpflin, Bereichsleiter Betriebliches Gesundheitsmanagement der Suva, fest. Die Suva bietet Präventionskurse für Arbeitnehmer und Arbeitgeber an.

Auch diese Angebote sind gefragt, und zwar bei allen Berufsgruppen. «Sei es ein Mitarbeiter des Logistikbereichs oder ein Schreiner: heute gibt es in allen Berufen überforderte Mitarbeiter und Chefs.» Häufig seien es aber Personen in einer Sandwich-Position, die über Überforderung klagten, sagt Urs Näpflin. Deshalb wird Prävention immer wichtiger, auch für die Suva. «Studien haben gezeigt, es gibt viel mehr Unfälle bei gestressten Mitarbeitern. Und ein Mitarbeiter, der sich am Arbeitsplatz wohl fühlt, kehrt nach einer Krankschreibung viel schneller zurück.»