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Berg-Kameramann Samuel Gyger «Natürlich habe ich manchmal Respekt vor dem Abgrund»

Der Oberländer Samuel Gyger kennt die Berge wie kein Zweiter. Sein Spezialgebiet: Bewegte Bilder aus extremen Höhen. Ein Gespräch.

Porträt
Legende: Samuel Gyger SRF

SRF News: Waren Sie schon als Kind gerne in der Höhe?

Samuel Gyger: Ich bin in Beatenberg aufgewachsen, hatte also immer einen wunderbaren Blick auf die majestätischen 4000er-Berge. Allerdings habe ich erst so mit 16 Jahren mit dem Bergsteigen begonnen. Zuvor habe ich eher auf den kleineren Bergen die Steinböcke verfolgt.

Zu ihrem Job gehört es, zu klettern oder in einem Helikopter zu filmen. Bei beidem sind sie in luftiger Höhe. Höhenangst haben Sie keine, oder doch?

Nein. Natürlich habe ich manchmal Respekt vor dem Abgrund. Zum Beispiel bei einem Dreh in Lauterbrunnen, vor einer Felswand, die 200 Meter in die Tiefe geht.

Höhenangst würde ich das nicht nennen.
Autor: Samuel GygerKameramann

Da musste ich schon durchatmen. Es ist aber Gewöhnungssache. Höhenangst würde ich das nicht nennen, eher Respekt.

Sie haben auf der ganzen Welt Filme gedreht. Haben Sie einen Lieblingsdrehort?

Es ist natürlich immer spannend, ins Ausland zu Reisen, andere Kulturen kennenzulernen. Aber wie es sich für einen Berner Oberländer gehört, finde ich es schon am schönsten zuhause. Man ist nahe bei der Familie, kennt alles, mag die heimischen Berge – das finde ich schon etwas sehr Schönes.

Sie sind seit über 15 Jahren Kameramann in den Bergen. Wie haben sich die Ansprüche des Publikums verändert?

Ich kann mich erinnern, die ersten Bilder von Ueli Steck, wie er den Eiger-Rekord holt, diese Bilder gingen um die Welt. Sowas hatte man damals noch nie gesehen. Heute ist das natürlich anders mit Social Media.

Man muss aber sagen, dass wir uns nicht neu erfinden können. Wir arbeiten mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen und versuchen da das Beste herauszuholen.

Mir wird oft gesagt, ich solle aktiver werden in Social Media.
Autor: Samuel GygerKameramann

Auf Social Media – insbesondere auf Instagram – sind Sie mit ihrer Firma nicht sehr aktiv.

Wenn ich an einem schönen Ort bin, dann will ich diesen Moment geniessen und nicht noch links und rechts ein Foto knipsen und das teilen. Es geht mir nicht darum, dass ich nicht gern teilen würde. Aber wenn ich während dem Arbeiten mal durchatmen kann, dann möchte ich den Moment für mich geniessen.

Zuhause ist es schon am schönsten.
Autor: Samuel GygerKameramann

Mir sagen immer wieder Leute, ich sollte doch aktiver sein in den Social Media. Das stimmt bestimmt. Aber das bin nicht ich, ich funktioniere nicht so.

Auch in Ihrer Freizeit sind Sie oft in den Bergen: Im Sommer am Mountainbiken, im Winter am Skifahren – gehen Sie auch mal ohne Kamera im Gepäck nach draussen?

Natürlich! Wenn ich privat unterwegs bin, habe ich nie eine Kamera dabei, nicht mal eine Drohne, kein Fotoapparat, höchstens das Natel. Ich bin so oft mit Kameras unterwegs, dass ich dann in solchen Momenten nicht auch noch fotografieren will. Meine Frau fragt dann jeweils: Weshalb nicht, ich könne ja so schöne Fotos machen. Aber, wenn man diese Geräte sonst immer in den Fingern hält, braucht man auch mal einen Moment, ohne etwas in den Fingern zu halten.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)

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