Berner Initiative will Lehrpläne vors Volk bringen

Gegen den Lehrplan 21 regt sich seit einiger Zeit Widerstand. In verschiedenen Kantonen wurden Initiativen lanciert, nun auch im Kanton Bern. Das Komitee will, dass das Kantonsparlament und letztlich das Stimmvolk über die Einführung von Lehrplänen entscheiden können.

Kinder im Schulzimmer

Bildlegende: Noch werden diese Kinder im Berner Schulhaus Länggasse nicht nach dem Lehrplan 21 unterrichtet. Keystone

Bis im Juni will das Komitee die nötigen 15'000 Unterschriften sammeln, wie Vertreter am Montag vor den Medien in Bern sagten. Das siebenköpfige, überparteiliche Komitee besteht vorwiegend aus Eltern und Lehrpersonen. In einem Unterstützungskomitee sind zahlreiche Politikerinnen und Politiker vorwiegend aus dem bürgerlich-konservativen Lager.

Wie ein Fahrlehrer mit 20 Schülern

Den Initianten macht unter anderem der konstruktivistische Ansatz des Lehrplans 21 Sorge. Darunter versteht man, dass Schülerinnen und Schüler ihre Lernprozesse weitgehend selber steuern. Lehrpersonen verlören damit ihre zentrale Bedeutung und würden zu Lernbegleitern.

«Meine Rolle wäre dann diejenige eines Fahrlehrers, welcher gleichzeitig 20 Fahrschüler in ihren Fahrzeugen betreut», sagte Komiteemitglied und Reallehrer Markus Dähler.

Gerade schwächere Kinder seien mit solchen Ansätzen überfordert, befürchtete die Elternvertreterin des Komitees, Rahel Gafner. Dies gefährde die Chancengleichheit. Der Lehrplan 21 dürfe nicht am Volk vorbei eingeführt werden. Es handle sich dabei um eine gesamtschweizerische Schulreform mit weit reichenden Konsequenzen.

Ein Dorn im Auge sind dem Komitee auch die Kosten. Die Einführung des Lehrplans 21 koste jährlich über 30 Millionen Franken. «Und dies ohne pädagogischen Mehrwert», sagten Vertreter des Initiativkomitees.

Regierungsrat Bernhard Pulver kontert die Argumente des Initiativkomitees: «Im Lehrplan 21 steht nicht, dass die Schülerinnen und Schüler selbstgesteurt lernen müssen.»

Die Lehrkräfte hätten weiterhin didaktische Freiheiten, wie sie den Stoff vermitteln wollten. Es gebe aber einen Unterschied zu heute: «Schüler sollen künftig nicht nur Wissen vermittelt bekommen, sondern auch anwenden lernen. Und das finde ich sinnvoll.»

Parlament soll Lehrpläne genehmigen

Für die Ausarbeitung der Lehrpläne soll, wie bisher, der Regierungsrat verantwortlich sein. Mit der Initiative will das Komitee jedoch dafür sorgen, dass künftig das Kantonsparlament Lehrpläne genehmigt. Dieser Beschluss würde dem fakultativen Referendum unterliegen, womit letztlich das Volk bei Bedarf über den Lehrplan entscheiden kann.

In einer Übergangsbestimmung soll festgehalten werden, dass Lehrpläne, die nach Anfang 2017 in Kraft gesetzt werden, nachträglich durch das Kantonsparlament genehmigt werden müssen. Das würde bedeuten, dass der Grosse Rat und allenfalls das Volk rückwirkend über die Einführung des Lehrplans 21 im Kanton Bern befinden würden.

Schulen schweizweit einheitlicher machen

Mit dem Lehrplan 21 setzen die Kantone den Artikel 62 der Bundesverfassung um, die Ziele der Schule zu harmonisieren. Im Herbst 2014 wurde er den Kantonen zur Einführung übergeben. Viele Kantone planen die Einführung im Sommer 2017.

An der Erarbeitung des Lehrplans 21 hatten sich alle deutsch- und mehrsprachigen Kantone beteiligt. (Also Aargau, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Glarus, Graubünden, Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, St.Gallen, Thurgau, Uri, Wallis, Zug und Zürich.)

Der Lehrplan 21 geht auf eine eidgenössische Volksabstimmung aus dem Jahr 2006 zurück. Damals sprach sich eine Mehrheit der Stimmberechtigten für eine Harmonisierung der Schulen aus. Der Lehrplan umfasst elf Schuljahre und beschreibt den Bildungsauftrag neu in Form von Kompetenzen.