Berner Kantonalbank 2015: Mehr Gewinn trotz tiefen Zinsen

Der Gewinn ist vor allem auf Sonderfaktoren wie den Verkauf einer Beteiligung, weniger Personal oder die Auflösung von Reserven zurückzuführen. Immerhin ein Gewinn in schwierigen Zeiten für das Kernschäft, sagt der CEO Hanspeter Rüfenacht. Den Aktionären winkt eine um 20 Rappen höhere Dividende.

Der BEKB-Hauptsitz am Bundesplatz.

Bildlegende: Sonnige Zeiten trotz tieferen Zinsen: Der BEKB-Hauptsitz am Bundesplatz. zvg

Der Gewinn liegt mit 131,3 Millionen Franken 0,7 Prozent über Vorjahr, wie die BEKB mitteilte. Sie selbst bewertet dieses Ergebnis als gut, denn die Bank hat das Privat- und Firmenkundengeschäft ausgebaut.

BEKB-Geschäftsleitungsvorsitzender Hanspeter Rüfenacht.

Bildlegende: BEKB-CEO Hanspeter Rüfenacht mit Symbolik. Rosiger Jahresabschluss nach einem dornenvollen Geschäftsjahr 2015 Christian Strübin/SRF

Zwar machten der Bank im vergangenen Geschäftsjahr die niedrigen Zinsen zu schaffen. Der Erfolg aus dem Zinsengeschäft ging deutlich um 6,1 Prozent auf rund 286 Millionen Franken zurück. Auch die anderen beiden wichtigen Ertragspfeiler, das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft sowie der Handel, warfen weniger ab.

«Es wird tatsächlich immer schwieriger, tiefere Zinsen und tiefere Erträge mit mehr Geschäftsumfang zu kompensieren. Die Marge für die Banken wird immer kleiner», sagt BEKB-CEO Hanspeter Rüfenacht. Kommt dazu, dass die Erträge aus dem Finanzmarkt nicht verlässlich sind.

Und schliesslich: Die Absicherung der Zinsänderungsrisiken, auch im Zusammenhang mit dem Negativzins der Nationalbank, kostete die BEKB im vergangenen Jahr fast 75 Millionen - statt 52 Millionen wie im Vorjahr.

Noch kein Negativzins für Privatkunden

Auf der anderen Seite gibt es für Anleger und Sparer praktisch keinen Zins mehr und die BEKB-Gebühren sind merklich gestiegen. Wie lange funktioniert dieser Ausgleich noch? «Wenn die Nationalbank die Zinsen nicht noch mal senkt, dann können wir so weiterfahren, ohne dass wir auch den Privatkunden den Negativzins verrechnen müssen», mutmasst CEO Hanspeter Rüfenacht.

Unter diesen kniffligen Umständen kommt auch das Personal als wesentlicher Kostenfaktor zunehmend unter Druck. Die Berner Kantonalbank baute in den vergangenen zwei Jahren 80 Stellen ab und überprüft auch das Filialnetz. «Wir kommen nicht darum herum, mit weniger Personal mehr zu leisten», bestätigt Hanspeter Rüfenacht. «Wenn das wirtschaftliche Umfeld nicht ändert, wird das wohl so weitergehen.»

Höhere Dividende für Aktionäre

Für die Aktionäre und damit für die bernische Staatskasse sieht der Abschluss 2015 allerdings gut aus. Aus dem Verkauf der Swisscanto-Anteile an die Zürcher Kantonalbank konnte die BEKB einen ausserordentlichen Ertrag von 26 Millionen Franken verbuchen. Zudem hat die Bank Wertberichtigungen und Rückstellungen aufgelöst und von weniger hohen Steuern profitiert.

Die BEKB will die Aktionäre von diesen Sondereffekten profitieren lassen und zahlt eine um 20 Rappen höhere Dividende von 6 Franken.

Robuste Berner Wirtschaft

Der Berner Wirtschaft, die vorab im Export- und Tourismusbereich ebenfalls ein schwieriges Jahr 2015 erlebt hat, stellt der Kantonalbank-Chef Hanspeter Rüfenacht ein gutes Zeugnis aus. «Es ist viel weniger schlimm herausgekommen, als wir vor einem Jahr befürchtet hatten» sagt er auf die Frage nach dem Zustand der Berner Wirtschaft.

Die Unternehmen seien robust, hätten Kapital und er sähe bei den Krediten keine besondern Herausforderungen. Auch in der Bau- und Liegenschaftsbranche habe man nicht übertrieben, für die BEKB sei deshalb auch keine Immobilienblase sichtbar.

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