Berner Kantonsparlament: Zu viel Psychopharmaka für Kinder?

Die Berner Kantonsregierung muss prüfen, ob es angebracht wäre, gegen die zunehmende Abgabe von Psychopharmaka an Kinder und Jugendliche vorzugehen. Das hat der bernische Grosse Rat am Dienstag nach einer lebhaften Debatte entschieden.

Eine Packung Ritalin

Bildlegende: Wird den Kindern zuviel Ritalin verabreicht? Das bernische Kantonsparlament will es wissen. Keystone

Mit 85 zu 49 Stimmen überwies das Kantonsparlament eine entsprechende Forderung aus den Reihen der Grünen, der GLP und der SVP als Postulat an die Kantonsregierung.
Die drei Grossräte schrieben in ihrem Vorstoss, mit "tonnenweise" Ritalin und anderen Psychopharmaka würden heute Kinder und Jugendliche "zurechtgebogen, gestutzt, stillgehalten und somit ihrer Integrität und Einzigartigkeit beraubt". Das sei "professionell verordnete und verabreichte Gewalt".

Die Kantonsregierung hielt den Vorstoss für unnötig. Aus einem Bericht des Bundesamts für Gesundheit von 2014 gehe hervor, dass Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) in der Schweiz angemessen behandelt würden.
Eine zweite Forderung lehnte der Rat ab. Die Kantonsregierung muss keine wissenschaftliche Untersuchung in Auftrag geben, die zeigen soll, bei welchen pädagogischen Massnahmen und Methoden Kinder und Jugendliche weniger auf Medikamente wie Ritalin angewiesen sind.