Berner Maturanden opfern Mathematik - bewusst

Was ist nur mit den Berner Maturanden los? Fast die Hälfte hat eine ungenügende Mathematik-Matur geschrieben. Kein anderes Fach wird so bewusst links liegen gelassen wie die Mathematik. Bildungsfachleute sind alarmiert.

Kein anderes Fach bereitet den Gymnasiasten und Gymnasiastinnen soviel Mühe wie die Mathematik. In den letzten beiden Jahren hatten fast die Hälfte der 4000 Berner Maturanden eine ungenügende Note in der schriftlichen Prüfung. Jeder Fünfte schaffte nicht mal eine Drei.

Jürg Schmid, Mathematik-Professor und Präsident der Berner Maturitätskommission, sagt: «Von einer Math-Misere zu sprechen, ist nicht übertrieben.» Das neue Maturitäts-Reglement mache es den Schülern einfacher, ein Fach abzuschreiben. Dass es häufig gerade die Mathematik trifft, ist für ihn klar: «In die Mathematik muss man sich reinknien. Wer abhängt, ist schnell verloren, kann das Verpasste kaum mehr aufholen.»

«Der Mathematik-Unterricht ist nicht zu abgehoben»

Seit 2010 ist die Mathematik nur noch eine von 13 Noten an der Matur, vorher eine von Neun. Eine ungenügende Note kann deshalb einfacher kompensiert werden. Ein Besuch in einer Mathematik-Lektion am Gymnasium Bern-Neufeld bestätigt das. Die Schüler schreiben das Fach bewusst ab und setzen sich dort ein, wo es einfacher geht.

Mathematik-Lehrer Simon Bünzli nimmt das den Schülerinnen und Schülern nicht übel. Den Vorwurf, dass der Mathematik-Unterricht zu abgehoben und abstrakt sei, lässt er indes nicht gelten. «Ich kann nicht jede Stunde ein Feuerwerk bieten.»

Der Zürcher Bildungsforscher Franz Eberle beobachtet mit Sorge, wie Mathematik bewusst geopfert wird. Sein Vorschlag: Die Schüler sollen mindestens in jenen Bereichen genügend sein, die fürs Studium in Wirtschaft, Geographie oder Psychologie nötig sind.

Echo der Zeit, 18 Uhr