Berner Oberländer erkunden die chinesische und arabische Seele

In Interlaken zum Beispiel, ist jeder vierte Tourist ein Chinese oder ein Araber aus den Golfstaaten. Viele gute Gäste - aber anders als Holländer, Briten und Deutsche. Der korrekte Umgang mit Gästen aus dem asiatischen Raum will gelernt sein. Interlaken Tourismus gibt Kurse.

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Aufwändige Gäste

4:55 min, aus Schweiz aktuell vom 16.4.2015

Scharenweise Chinesen und arabische Grossfamilien mit verschleierten Frauen prägen das Strassenbild immer mehr. Die Zuwachsraten von Gästen aus dem asiatischen und arabischen Raum sind enorm und dazu ist ihnen der Eurokurs völlig egal. Aber diese Entwicklung verunsichert die traditionellen Touristen aus Europa und USA - und auch die Einheimischen. Interlaken kennt dieses Phänomen gut.

Spurensuche in der chinesischen und arabischen Seele

Interlaken Tourismus bietet deshalb interkulturelle Kurse an. Hoteliers und Wirte lernen dabei den korrekten Umgang mit Gästen, die aus einem anderen Kulturkreis kommen. «Wir haben gar keine andere Chance, als daran zu arbeiten, wenn wir diese Gäste wollen», bringt es der Interlakner Tourismusdirektor Stefan Otz auf den Punkt.

Und er sagt: «Es ist gar nicht so kompliziert, wenn man begriffen hat, wie diese Leute funktionieren. Es gibt einfach ein paar Details, auf die man achten sollte.» Es sei aber nicht so, dass sich hiesige Gastgeber verbiegen und die eigenen Gepflogenheiten aufgeben müssten.

Kleiner Aufwand, grosse Wirkung

Ein Kurs in Thun, bei dem ein paar hundert Touristiker interessiert zuhörten, zeigte deutlich, dass chinesische und arabische Gäste oft gleich ticken. «Der arabische Gast ist grosszügig. Aber er will auch so behandelt werden», sagt Khaldoun Dia-Eddine. Der gebürtige Syrer berät die Touristiker und ist Dozent an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften.

«Wir müssen halt manchmal auf die Zähne beissen», rät dazu Simon Bosshart von Schweiz Tourismus. Er kennt China und den asiatischen Raum sehr gut und ist mit deren Mentalitäten vertraut. «Man muss alles tun, damit ein Chinese nicht das Gesicht verliert. Das ist sehr zentral.» Das brauche halt etwas Fingerspitzengefühl. Oft sind Missverständnisse die Ursache von Verstimmungen hüben und drüben.

«  Lernen Sie doch ein paar Worte in den jeweiligen Sprachen. Es macht vieles einfacher »

Simon Bosshart
Schweiz Tourismus

Was Bosshart und Dia-Eddine sagen, gilt gleichermassen für Arabien und China. Gäste aus dieser Ecke der Welt sind fordernd, anspruchsvoll und sehr ungeduldig. Sie sagen nie Nein, aber sie akzeptieren auch kein Nein. Sie sind ausserordentlich hierarchiebewusst und wollen am liebsten mit dem Chef verhandeln - auf Augenhöhe. Und - sie sind pausenlos online auf den sozialen Netzwerken.

«Bleibt euch selbst» raten die Experten

Die Experten sagen den hiesigen Gastgebern auch, es zwar gut, auf die kulinarischen Ansprüche Rücksicht zu nehmen oder der Tatsache Rechnung zu tragen, dass eiweisshaltige Speisen für Chinesen eher die Ausnahme sind. «Aber kochen Sie nicht chinesisch, wenn Sie es nicht können, sondern servieren Sie hiesige Kost in Häppchenform», empfiehlt Simon Bosshart.

Und Khaldoun Dia-Eddine gibt zu bedenken, dass Araber nicht begreifen, wenn Brot in sparsamen Portionen und Wasser gläserweise serviert und verrechnet werden. Und dass Schweinefleisch und Alkohol in aller Regel ein absolutes Tabu sind, sei ja auch nicht ein wirkliches Problem.