Berner Ombudsmann Mario Flückiger: «Ich habe keine Superlösungen»

Wer als Stadtbernerin oder Stadtberner Probleme mit der Müllabfuhr hatte oder sich von der Steuerbehörde ungerecht behandelt fühlte, gelangte früher oder später zu Mario Flückiger. Seit 20 Jahren ist er Ombudsmann der Stadt Bern. Nun geht er in Pension.

Portrait Mario Flückiger am Bürotisch

Bildlegende: Sieht sich nicht als Superheld: Der Stadtberner Ombudsmann Mario Flückiger. Leonie Marti/SRF

Fast 16'000 Menschen haben in den letzten 20 Jahren Rat gesucht bei Mario Flückiger: Als Ombudsmann der Stadt Bern war er Ansprechpartner für Leute, die mit der Stadtverwaltung oder den städtischen Betrieben in Konflikt gerieten. Oder für solche, die gezielte Fragen hatten, wie es um ihre Bürgerrechte steht.

«  Ich helfe den Bernerinnen und Bernern, der Verwaltung auf Augenhöhe zu begegnen. »

Mario Flückiger
Scheidender Ombudsmann der Stadt Bern

Dabei ist Mario Flückiger weder Anwalt der Bernerinnen und Berner noch der verlängerte Arm der städtischen Verwaltung: Er wird vom Stadtrat berufen und agiert unabhängig von den Behörden. «Meine Aufgabe ist es, dass ich betroffenen Bürgerinnen und Bürgern dazu verhelfen kann, der Verwaltung oder den Stadtbetrieben auf Augenhöhe zu begegnen.»

Da ist beispielsweise die Geschichte aus dem Stadtbachquartier, in der Nähe vom Bahnhof: Die Müllabfuhr wollte mit ihren grossen Lastwagen nicht mehr durch die enge Strasse fahren, die Quartierbewohner sollten ihre Abfallsäcke und Container zu einem Depot bringen. Die Bewohner wehrten sich – mit Erfolg. Mithilfe von Ombudsmann Mario Flückiger kam eine Lösung zustande, die Müllabfuhr fährt nun bis zu einem bestimmten Punkt rückwärts in die Strasse.

Wichtig: Gesunder Menschenverstand

Zum Teil habe er aber auch kuriose Anfragen erhalten, so Flückiger. Einmal rief ihn eine Frau an, weil sie ihre Steuerunterlagen nicht finden konnte. Er riet ihr, noch einmal dort zu suchen, wo sie jeweils ihre Steuerunterlagen aufbewahre.

Fünf Minuten später kam das Telefon, sie hätte die Unterlagen gefunden. Gesunder Menschenversand sei in seiner Funktion also entscheidend, denn «ich bin kein Wundertäter für Superlösungen, die sonst niemand kennt.»

Neu eine Ombudsfrau

Ab dem 1. Oktober 2016 übernimmt Mirjam Graf-Lehmann den Posten von Mario Flückiger, der in Pension geht. Damit hat die Stadt zum ersten Mal eine Ombudsfrau. Mirjam Graf-Lehmann arbeitet als freiberufliche Rechtsanwältin in Thun.