Berner Parlament kritisiert sprachlastiges Übertrittsverfahren

Benachteiligt das heutige Übertrittsverfahren von der Primarschule in die Sekundarstufe I wegen seiner Sprachlastigkeit die Buben? Darüber hat der bernische Grosse Rat am Mittwoch eingehend diskutiert - und am Schluss eine Überprüfung gefordert.

Ein Schüler am Pult löst Mathematikaufgaben.

Bildlegende: Das heutige Übertrittsverfahren soll mathematisch-naturwissenschaftlich begabte Schülerinnen und Schüler benachteiligen. Keystone

Im heutigen Übertrittsverfahren sind die Sachkompetenz der Schülerinnen und Schüler in den Fächern Deutsch, Französisch und Mathematik entscheidend. Das benachteilige mathematisch-naturwissenschaftlich interessierte und begabte Schülerinnen und Schüler und dadurch insbesondere Buben.

Das findet GLP-Grossrat Thomas Brönnimann, der mit einem parlamentarischen Vorstoss die Diskussion vom Mittwoch im Berner Rathaus ausgelöst hatte. Französisch als Selektionsfach benachteilige zudem Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Für sie sei ja schon Deutsch eine Zweitsprache. Brönnimanns Vorstoss sei wichtig, hiess es mehrfach im Grossen Rat. Es sei unbestreitbar, dass es diese sogenannte Genderproblematik bei der Selektion gebe und dass das Verfahren sprachlastig sei.

Pulver: «Eine neue Lösung muss besser sein als die alte»

Die Überweisung Brönnimanns Forderung als Motion an die Regierung, also als zwingenden Auftrag, das Selektionsverfahren abzuändern, ging aber den meisten Fraktionen zu weit. Auch Erziehungsdirektor Bernhard Pulver warb vehement für eine Überweisung des Vorstosses nur in Form eines Postulats, also eines Prüfungsauftrags. Seine Direktion überprüfe im Zusammenhang mit der Einführung des Lehrplans 21 das Selektionsverfahren schon seit Monaten. Dies in Zusammenarbeit mit allen möglichen Kreisen. Für Pulver ist klar: «Eine neue Lösung muss besser sein als die alte».

Brönnimann wandelte schliesslich die Forderung, das Selektionsverfahren zu überarbeiten, in ein Postulat, das der Rat fast einstimmig annahm. Somit fährt der Kanton mit der Überprüfung des Selektionsverfahrens in die Sekundarstufe I fort.